Dienstag, 12. Juni 2012

Erinnerungen

Die Schlechte-Laune-Wolke ist weiter gezogen, der Zahn vom Kleinen ist durchgebrochen. Die Nacht war wieder wie gewohnt, daher ist meine eigene Laune heute auch wieder besser. Was so ein bisschen Schlaf doch alles bewirken kann!

10 Monate ist er nun bald. Ich werde nostalgisch. Ich erinnere mich an den Moment eines schönen Morgens, als ich im Bad saß und freudig auf den Schwangerschaftstest blickte. Mein Mann und der Große schliefen noch und ich genoss diesen kurzen Moment, in dem nur ich von meinem Baby wusste. 
Dann kamen die furchtbaren ersten zwölf Wochen. Mir war dauerübel und wenn es mal gerade nicht so war, hatte ich panische Angst, mit dem Baby wäre etwas nicht in Ordnung. 
Der Bauch wuchs, das Baby gedieh. Relativ früh spreizte er grazil die Beinchen und gab der Ärztin und mir einen guten Ausblick darauf, zweifache Jungsmama zu werden. 
Dann die Geburt. Die Tage danach waren anstrengend. Er nahm nicht genug zu, wir mussten mit der Flasche nachfüttern, was uns unter Stress setzte. Nach vier Tagen hatte ich genug. Die Ärzte und Schwestern freuten sich, weil ich so schnell wieder auf die Beine kam. Und ich wollte um jeden Preis nach Hause zu meinem Großen. 
Bis auf ein paar gelegentliche Eifersüchteleien läuft es gut mit den Kids. Sicher sind sie oft schlecht gelaunt und sicher schimpfe ich oft über sie - oder auch wahlweise mit ihnen. Doch ich kann mich nicht beschweren. Ich wollte es so und ich würde es auch nie anders wollen. 
Jetzt lehne ich mich einfach zurück, sehe dem Kleinen ein bisschen dabei zu, wie er sich an den Möbeln entlang hangelt und freue mich auf die vielen Schritte, die noch vor uns liegen.  

Montag, 11. Juni 2012

I don't like mondays

Es ist wieder Montag. Und wie fast jeden Montag sind die Kids so richtig mies drauf.
Wir beschließen, den ungeliebten Tag mit einem schönen Frühstück zu beginnen. Der Große nölt. Er möchte keine Milch trinken, er will lieber Limo. Wo gibt's denn so was!?
Dann entscheidet er sich zwischen Erdbeer- und Himbeermarmelade für letzteres. Nach dem ersten Bissen hätte er doch lieber Erdbeer. Zaubern kann ich nicht, da muss er jetzt durch. Passt ihm nicht. Schlecht gelaunt kaut er an einem Stück herum und will dann wissen, ob er als Belohnung, wenn er alles aufgegessen hat, Schokolade haben kann. 
Hoffentlich redet er im Kindergarten nicht auch so daher - von Schokolade und Limo. Die Erzieherinnen denken sonst, er kriegt solche Schleckereien zu Hause bestimmt im Übermaß. Dabei bin ich eigentlich ziemlich stolz auf seine ausgeglichene Ernährung zwischen gesund und ungesund. Aber gestern waren wir bei den Schwiegereltern. Da gab's Limo zu trinken und Schokolade als Nachspeise. Und das hat er sich natürlich sofort gemerkt. 

Auch das Baby scheint unglücklich. Nach einer zahnbedingt richtig miesen Nacht hat er nun keinen Appetit. Er nippelt ein bisschen an seiner Saftschorle und mümmelt einige Bröckchen Brot. Begeisterung sieht anders aus. 

Danach beschließen wir, das Bröselparadies zu zerstören und die kleinen Freunde einfach einzusaugen. Das kommt schon besser an. Der Kleine liebt monotone Geräusche noch immer und saugt sich wohlig an seinem Schnuller fest. Kaum, dass der Lärmpegel verebbt, jammert er wieder. Also spielen wir, krabbeln durch's Zimmer, versuchen, ihn von seinem Elend abzulenken. Es klappt nicht, es fällt ihm immer wieder ein. Er ist müde. Kein Wunder, letzte Nacht waren wir ja quasi dauerwach. 
Ich bringe die Kinder ins Bett. Überlege, wie wir den Nachmittag rum bringen, wenn keiner gute Laune hat. Beschließe, spazieren zu gehen und eventuell einen hübschen Kuchen zu backen. Das heitert zumindest mich immer auf. Ich esse zwar gerne Kuchen, aber das eigentliche Highlight ist für mich das Backen. Das habe ich schon immer gerne gemacht. 
Aha. Da meldet sich der Erste schon wieder. Und es geht von vorne los... 

Sonntag, 10. Juni 2012

Wunsch und Wirklichkeit

Wie der Abend gestern eigentlich ablaufen sollte

Nach einem romantischen, duftenden Ölbad (zu zweit, versteht sich) essen wir ungestört unsere Pizza, kuscheln uns danach vor den Fernseher und freuen uns neunzig Minuten lang mit der deutschen Nationalmannschaft über ihr grandioses Spiel.

Wie der Abend gestern ablief

Das Badewasser wird nicht richtig warm. Mein Mann hat wie üblich versucht, eine Lücke zum Sparen zu finden und irgendwas an Boiler oder Heizanlage verstellt. Frierend sitzen wir in der Badewanne, die enger ist, als gedacht. Bequem kann ich das nicht finden. 
Das von mir gewünschte Ölbad fällt aus. Alles, was mein Mann vom Schlecker-Ausverkauf ergattern konnte, ist ein Muskelvitalbad, das nach Myrrhe riecht. Mein ganzer Arm brennt; ich hatte vergessen, dass ich mich zuvor mit den vertrockneten Rosen im Vorgarten angelegt hatte und diese beim Zuschneiden handgreiflich geworden waren. Tut nun nicht unbedingt gut auf der roten Haut, dieser Badezusatz. 
Die Pizza wird zwanzig Minuten zu früh geliefert. Mein Mann springt hastig aus der Wanne und wirft sich seinen Bademantel über. So läuft er nun nach draußen in den strömenden Regen, nur er und seine luftige Bekleidung. Die junge Frau, die den Pizzakarton in der Hand hält, sieht ihn ziemlich verschreckt an. Sollten wir bislang aufgrund unserer stets lärmenden Kinderschar noch keinen Ruf in der Nachbarschaft haben, hat sich das nun bestimmt geändert. 
Ich habe schon dreimal von meinem ersten Stück abgebissen, da wird der Kleine wach. Ich springe nach oben. Er hatte einen für ihn dramatischen Schnullerverlust und wimmert nun vor sich hin. Als ich ihm den Schnuller zurück in seinen süßen Mund schiebe, klammert er sich an meiner Hand fest. So verharre ich dann gut zwanzig Minuten, bis er wieder fest eingeschlafen ist. Da muss ich nun auf Nummer sicher gehen.
Ich komme nach unten zurück. Mein Mann hat mich nicht vermisst. Von der Pizza ist nichts mehr zu sehen. Als ich mich nach ihrem Verbleib erkundige, erzählt er mir strahlend, dass er die Pizzareste schon entsorgt hat. Ein Stück ist noch im Kühlschrank für mich. Im genannten Gerät finde ich eine kleine Ecke vom Rand, auf die ich dann auch verzichte. 
Das Spiel beginnt. Und gefällt nicht! Zu viele Fehlpässe, zu viele Unsicherheiten, zu wenig Selbstsicherheit. Es entsteht der Eindruck, als würden unsere Jungs sich nicht so richtig trauen. Dann endlich das erlösende Tor. Zittern, bis endlichendlichendlich abgepfiffen wird. 
Danach fallen wir ins Bett. Das Baby ist schon wieder wach. Und so bleibt es auch die ganze Nacht. An Schlaf bekomme ich vielleicht zwei Stunden ab. 
Morgens torkele ich ins Bad. Ich fühle mich wie verkatert. Igitt, so fühlt sich das an? Wenn das so ist, trinke ich bei meiner Freundin lieber doch nichts. 
Erstaunlicherweise mimt mein Mann den Müden. Er, der wieder mal die ganze Nacht friedlich durchschlummert hat. Die Laune sinkt, der Aggressionspegel steigt. 

Ach, wär' ich doch ins Bett gegangen!

Samstag, 9. Juni 2012

Not-blind Date

Ich habe heute Abend ein Date. 
Mit meinem Mann!
Zweisamkeit ist im Alltag mit Kindern ja eher schwer zu finden. Abends, wenn die Jungs im Bett sind, sprechen wir den Tag noch durch oder jetzt, wo das Wetter besser ist, arbeiten wir im Garten. Zu zweit ins Kino gehen? Machen wir nicht. Meine Eltern wohnen nicht hier und meine Schwiegereltern sind der Meinung, wenn man kleine Kinder hat, kann man eben nicht ohne sie irgendwohin gehen. Das einzige Mal im Jahr, wo wir etwas zu zweit machen, ist unser standesamtlicher Hochzeitstag (also nicht der, den mein Mann letztens vergessen hat), an dem wir essen gehen. 
Doch heute Abend wird alles anders!
Wir treffen uns um circa neunzehn Uhr, wenn wir die Kinder ins Bett gebracht haben, im Wohnzimmer. Wir gucken ein bisschen das laufende Fußballspiel, trinken dazu ein bisschen Apfelschorle und essen die Partypizza, die wir uns bestellen werden. Danach gucken wir dann zusammen das Deutschlandspiel. Wenn wir Glück haben, wird in dieser Zeit keines unserer Kinder wach. Danach beenden wir unser Private Viewing damit, dass wir todmüde ins Bett fallen werden, um am nächsten Morgen um circa fünf Uhr von den Kids geweckt zu werden. 
Aber ich freue mich trotzdem wie Bolle drauf :)

Donnerstag, 7. Juni 2012

Smalltalk

Wir haben die übliche Diskussion, wenn es auf das langersehnte Ende der Woche zugeht: was kochen wir am Wochenende?
"Wie wäre es denn mit Nudelauflauf?", schlage ich motiviert vor. 
"Welchen denn?", fragt mein Mann vorsichtig. Einmal, ein einziges Mal habe ich ein Rezept aus einer Zeitschrift ausprobiert, das ich sehr gut fand - und er nicht. Nun hat er immer Angst, dass es dieses Gericht wieder geben könnte. 
"Na den einen! Den mit den großen Nudeln!"
Ich sehe die Fragezeichen in seinen Augen.
"Du weißt schon, mit dem Mozzarella und den großen Nudeln eben!!!"
"Welche großen Nudeln denn!?"
"Ich hol' mal eine Packung, dann fällt es dir bestimmt wieder ein."
Gesagt, getan. Der Gatte jedoch immer noch ahnungslos. 
"Du kochst einfach so viel - und so gut", beeilt er sich zu versichern. "Da kann ich mir nicht jedes einzelne Gericht merken." 
"Ich mag auch Nudeln", meldet sich der Große zu Wort. Mich wundert es sowieso, dass er sich solange aus der Diskussion raus gehalten hat, normalerweise macht er immer konstruktive Vorschläge.
"Magst du auch einen Nudelauflauf, Herzchen?", frage ich ihn nun. 
"Ich ess' dann Nudeln mit Soße", demotiviert er mich. Nudeln ja, Nudelauflauf nein. 
"Und am Sonntag?" Ich gebe nicht auf. "Wollen wir da einen Schweinebraten machen?"
Zustimmende Geräusche seitens der Männerecke. 
"Dann machen wir zweierlei Klöße!", freue ich mich. "Welche aus Brötchen und aus Kartoffeln!"
"Ich mag keinen aus Kartoffeln". Der Große wieder. 
"Wieso denn nicht?", frage ich bestürzt. Sonst hat er den immer gerne gegessen. 
"Weil mir der nicht so schmeckt."
"Richtig so, Sohn, ich finde die anderen auch besser". Mein Mann klopft seinem Erstgeborenen wohlwollend auf die Schulter. 
Bin ich hier die einzige, die Kartoffelklöße wollte?!
"Gut, dann lassen wir die Kartoffelklöße eben weg". Ich gebe mich geschlagen. 
Eine Weile sehen wir den Kids zu - der eine isst sein Brot, der andere krabbelt über den Boden. Das heißt, der Kleine isst sein Brot und der Große krabbelt unter den Tisch, weil er vor lauter auf-dem-Stuhl-wippen seinen Apfel fallen lassen hat. Dann sieht mein Mann mich wieder an. 
"Und jetzt nochmal: welchen Nudelauflauf meinst du da jetzt!?"

Mittwoch, 6. Juni 2012

Ein Tag im Leben von Lipstickmum

Am späten Nachmittag eines jeden Wochentages, wenn mein Mann von der Arbeit nach Hause kommt, stellt er mir die gleiche Frage. 
"Und Schatz, was habt ihr heute alles so gemacht?"
Einen Teil davon habe ich heute mal fotografiert!

Die Schnecken aus diesem Rezept noch einmal gebacken. Perfekt!

Eine Windeltorte für meine Freundin gebastelt...
...und verpackt

Das Patschehändechen vom Kleinen fotografiert

Den Großen geschimpft, weil er den Kleinen geschubst
hat und dabei die Frikadellen verbrennen lassen


 Was man auf den Bildern nicht sieht


* im Erdgeschoss gesaugt
* im Obergeschoss alle Fenster (12) geputzt. Inklusive Rollläden!
* dem Kleinen hingerissen beim Krabbeln und Aufstehen zugesehen
* dem Großen einige Geschichten vorgelesen
* einen Spaziergang gemacht, um mit dem Großen zur örtlichen Baustelle zu gucken ("Mamaaaa! Da ist ein Bagger! Kommt der zu uns auch mal?!")
* festgestellt, dass der Gatte unseren leicht zu merkenden Hochzeitstag vergessen hat. Hurra!

Umfrage!

Nehmen wir an, ihr wollt neue Fenster in eurem Haus einbauen lassen. Und ihr habt zwei Firmen zur Auswahl, die beide ein gutes Angebot abgegeben haben. Der Preis stimmt bei beiden, die Fenster gefallen euch bei beiden. 
Die eine ist ein seit Jahrzehnten gut laufendes, eher familiär geführtes, kleines Unternehmen. Der Kontakt zum Mitarbeiter war hier sehr gut. 
Das andere ist eine Kette mit vier Niederlassungen, die durch pompöse und moderne Verkaufsausstellungen beeindruckt. Dafür ist euch der zuständige Mitarbeiter unsympathisch, ihr fühlt euch bei ihm als Ansprechpartner nicht gut aufgehoben. 

Für wen entscheidet ihr euch? Und warum? 

Dienstag, 5. Juni 2012

Bloggen von A bis Z - Z wie Zwiespalt

Ich freue mich über jeden Schritt, den meine Kinder machen. 
Das können unbedeutende, kleine Dinge sein - plötzlich kann der Große seine Socken alleine anziehen und der Kleine lernt, wie man winkt. 
Natürlich freu ich mich auch über großen Schritte - der Große ist in drei Monaten ein Kindergartenkind, der Kleine zieht sich nun an manchen Möbeln hoch und läuft ein paar tapsige Schritte daran entlang. Sie entwickeln sich jeden Tag und jeder Tag macht mich stolz. 
Aber es macht mich auch ein bisschen traurig. Weil es soooo schnell geht. 
Nie wieder wird der Große sein Namens-T-Shirt tragen, welches ich ihm zum ersten Geburtstag in Größe 80 bestellt hatte. 
Nie wieder wird der Kleine zum ersten Mal Brei probieren und beschließen, ihn furchtbar zu finden. 
Ständig sitze ich da und denke mir: es wird alles leichter werden, wenn die Kinder erst größer sind. Wenn der Kleine so alt ist wie der Große jetzt und mich versteht, wenn ich zu ihm sage: die Mama muss noch schnell fertig die Wäsche aufhängen, ich komme in drei Minuten! Er wird es verstehen und warten; ungeduldig zwar und bestimmt quengelig, aber er wird nicht einfach weiter weinen, so wie jetzt, weil ihm meine Worte noch nichts sagen. 
Und doch finde ich es schön, sie den ganzen Tag um mich herum zu haben. Die drei Jahre mit dem Großen sind wie im Flug vergangen. Wir haben noch diesen hoffentlich schönen Sommer und dann geht er den halben Tag in den Kindergarten. Er freut sich auf die vielen Kinder, mit denen er spielen kann. Und ich freue mich, weil er sich darauf freut. Und doch fällt mir das Loslassen schwer. 
Was kommt nach dem Kindergarten? Die Grundschule. Dann eine weiterführende Schule und danach vielleicht eine Ausbildung. Auch wenn diese Zeiten jetzt noch in weiter Ferne liegen - eines Tages wird es soweit sein. Und natürlich werde ich stolz sein und mich mit ihnen freuen. Doch ich werde auch mit ein bisschen Wehmut denken: ach, wären sie doch so klein geblieben. 

Sonntag, 3. Juni 2012

Bloggen von A bis Z - Y wie Y-Chromosom

"Das verstehst du nicht. Du bist eben ein Mann."
So oder ähnlich enden bei uns zu Hause geschlechtsspezifische Diskussionen. An irgendeinem Punkt drehen wir uns schließlich im Kreis und entweder sage ich diesen Satz über ihn er oder ihn über mich. 
Zu diesem Thema gibt es deshalb heute von mir drei klischeehaft weibliche und drei klischeehaft männliche Dinge, die mein Mann und ich tun. 

Weibchen
1. Wenn mein Mann in der Nähe ist, lasse ich ihn oft das Auto in die Garage parken.
Das muss ich vielleicht erklären. Wir haben eine Doppelgarage, in der neben unseren beiden Autos auch noch ein Anhänger steht. Das rückwärtige Einparken ist also meist mit Feinspitzengefühl verbunden, um nirgends dagegen zu fahren. Es wäre nicht so, dass ich das nicht könnte. Aber er kann es eben schneller! Und wenn sich die Kids auf dem Rücksitz schon lauthals beschweren, habe ich nicht mehr die nötige Ruhe, meinen Wagen perfekt in seine streichholzschachtelgroße Öffnung zu zirkeln. Deswegen gebe ich diese Tätigkeit gerne mal ab. 
2. Ich finde Mülltrennung gut und wichtig, schaffe es aber untertags nicht, jedes Fetzelchen Plastik artgerecht zu recyclen. Daher haben wir hier oben einen gemeinsamen Müllbehälter für alle Arten von Plastik und Alu, den ich befüllen darf. Mein Mann hat im Keller eine Recyclingecke eingerichtet, wo er dann die entsprechende Nachbearbeitung vornimmt.   
3. Früher war mein Mann als unabhängiger Finanzberater tätig. Aus dieser Zeit hat er viel Wissen mitgenommen. Natürlich besprechen wir anstehende Ausgaben gemeinsam und entscheiden sie auch zusammen, doch er ist der Herrscher über den dadurch anfallenden Schriftverkehr. In seinem Büro bewahrt er sämtliche relevante Unterlagen auf. Ich würde mich bei den vielen Unterlagen mit ihren Anlagen A1 bis Z3883 längst nicht so gut zurecht finden!

Männchen
1. Mein Mann würde seine Wäsche niemals selber waschen. Nicht, weil er es nicht könnte - er hat vor Beginn unserer Beziehung einige Jahre alleine gewohnt - sondern aus diesem einfachen, aber für ihn ausschlaggebenden Grund: er - will - es - nicht.
Dies könnte natürlich zu Problemen führen, sollte ich einmal für ein paar Tage ausfallen. Hatten wir alles schon. Dann zieht er die Sachen ganz hinten im Schrank an, die er sonst nicht so gerne mag. Und so kommt er dann über die Runden.
2. Geburtstage, Namenstage und andere Termine jeder Art schreibe ich in unseren Familienkalender, der gut für alle sichtbar in der Küche hängt. Ich bin der einzige, der etwas hinein schreibt. Und oft bin ich auch der einzige, der hinein schaut! Mein Mann wüsste zwar, wo er gucken muss, hält es aber für praktischer, mich zu fragen, denn ich weiß es meist sowieso auswendig. 
3. Beim Einkaufen möchte er immer den Wagen schieben. Ich laufe mit der Liste vorneweg und werfe alles mögliche in den Einkaufswagen hinein. Das stört ihn nicht. Aber er möchte den Wagen schieben.  

Freitag, 1. Juni 2012

Bloggen von A bis Z - X wie X

Ihr kennt es alle. Bei jeder unserer Internetsessions ist es dabei. Allgegenwärtig, der letzte Ausweg.
Das kleine, rote X zum Schließen der Seite. 

Ich hätte es damals anklicken sollen. Als ich vierzehn war und mein erster Freund mit mir Schluss machte. Über einen Online-Chat. Er war gerade 18 geworden. Er wollte mit mir schlafen, ich mit ihm nicht. 
Natürlich war das nicht der Grund. Er hätte sich wieder in seine Ex verliebt, erklärte er mir, während mir die Tränen über das Gesicht liefen. Und Liebe ließe sich nun mal nicht zwingen.

Ich sollte es jedes Mal benutzen, wenn ich über bekannte Plattformen Leuten aus meiner Vergangenheit hinterher spioniere. Vergangenheit heißt so, weil es vorbei ist. Das sagte meine Mutter immer. Und doch kommt es mir manchmal so vor, als befände ich mich in einer Zeitschleife. Und würde irgendwo zwischen hier und damals fest hängen.
Sind sie noch miteinander befreundet oder haben auch sie sich entfremdet? Sind sie beruflich eingespannt, haben sie Kinder? Wie viele Leute aus dieser Vergangenheit erinnern sich an mich und geben sogar meinen Namen hin und wieder ein? Oder erinnere nur ich mich an die meisten, während ich für alle anderen verblasst bin?

Ich möchte es immer verwenden, wenn ich etwas schlimmes in den Nachrichten lese. Über aufgefundene Babys, die niemand wollte und die deshalb nicht auf dieser Welt leben durften. Über entführte Kinder, mit deren Eltern man mitbangt, tage- oder sogar monatelang. In manchen Fällen sogar für Jahre. 
Doch all das schlechte verschwindet nicht, in dem man die Website, auf dem es steht, verschwinden lässt. Es ist trotzdem passiert. Für solche Dinge gibt es kein kleines, rotes X. Es wäre schön, wenn es für alle Probleme auf dieser Welt so einen einfachen Ausweg gäbe. 
Doch die Realität sieht anders aus. Das Leben spielt sich - so unglaublich es in der heutigen Zeit auch scheinen mag - auch außerhalb des Internets ab. 
Und dahin werde ich nun zurück kehren. Leise zu meinem Baby gehen und ihm beim Schlafen zusehen. Dankbar sein, für einen weiteren Tag, an dem es uns allen gut geht. 
X.