Dienstag, 25. September 2012

These boots are made for walking

In einem Anfall von "ich-bin-nicht-nur-Mutter-sondern-auch-noch-Frau"-Panik habe ich mir im Internet letzte Woche braune Stiefel bestellt. Gestern kamen sie endlich an und als die Kids im Bett waren, brachte ich eine halbe Stunde vor dem Spiegel zu und probierte verschiedene Outfits zu den Stiefeln an. Heute zog ich sie dann das erste Mal an und was soll ich sagen - ich laufe wie auf Wölkchen dahin. So bequeme, aber trotzdem schicke Schuhe habe ich vorher nur selten gefunden. Und ich habe in meinem Leben schon eine Menge Schuhe gekauft. 

Ich gehe also mit meinen schicken Stiefeln - und dazu passend heute mal etwas aufwendiger geschminkt und frisiert als sonst - durch den Park den Weg zum Kindergarten. Leider kommt uns niemand entgegen, also kann auch niemand meine schicken Stiefel sehen. Sonst, wenn ich in ausgelatschten, alten Turnschuhen hektisch den Weg entlang haste - ein Kind an der Hand, das andere knöternd im Wagen - treffen wir natürlich die halbe Stadt. Doch ich bleibe optimistisch. 
Im Kindergarten begegnen uns dann die ersten Mütter. Ich bekomme keine bewundernden Blicke, sondern giftige. Ich weiß, was die anderen Mütter denken: Toll. Die ist so zurecht gemacht und ich habe noch die Zahnpastaflecken auf der Jacke. Meine Hose könnte ich auch mal wieder waschen. Na, die muss morgens ja viel Zeit haben. 
Woher ich das so genau weiß? Nun, normalerweise denke ich so etwas, wenn bei uns morgens mal wieder alles drunter und drüber gegangen ist und mein Erscheinungsbild nicht dem entspricht, was ich mir wünsche.

Mittags dann das gleiche Spiel. Die Stiefel und ich gehen zum Kindergarten, um den Großen wieder abzuholen. Wir treffen unsere Freundin, doch statt auf die Stiefel zu gucken, erzählt sie mir aufgeregt, dass ihre Tochter im KiGa ein neues Wort gelernt hat: Sex. Sie hat es auch gleich in einem vollständigen Satz angewendet ("Mama, hast du auch Sex?"). Da bleibt natürlich keine Zeit, buchstäblich über die Stiefel zu stolpern. 
Auf dem Heimweg denke ich dann ein bisschen nach. Niemandem ist aufgefallen, dass ich zurecht gemacht war, also fällt es vielleicht sonst auch niemandem auf, wenn ich es nicht bin - außer eben mir. Ich selbst bin mein schärfster Kritiker und finde permanent etwas an mir, das ich verbessern könnte. 
Trotzdem finde ich den Gedanken irgendwie beruhigend. Meine Kinder lieben mich sowieso so, wie ich bin und was mich selbst an mir stört, kann ich ja vielleicht ändern. Was mich zum Beispiel schon lange gestört hat, war, dass ich unbedingt neue Schuhe gebraucht habe - zum Beispiel Stiefel. Na, das zumindest habe ich ja nun in den Griff gekriegt ;)

Kommentare:

  1. hihi..

    "Die Stiefel und ich gehen zum Kindergarten..."

    herrlich! solang man sich selbst gefällt, ist doch alles in ordnung... kann einem doch wurst sein, was die anderen denken =)

    und dass so ein shoppingerfolg sehr befriedigend sein kann, darüber müssen wir ja nicht schreiben :D

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    1. Ja, shoppen ist irgendwie gut für die Seele. Ein einziges Teil wie beispielsweise ein Halstuch oder ein Schal kann ein komplettes Outfit schon ganz anders wirken lassen. Oft sind es solche Highlights, die es ausmachen. Bei mir sinds eben meine neuen Stiefel ;)

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  2. Ohja du hast so Recht! Andere sehen einen gar nicht so schlimm wie man sich sieht! Ich denke du musst etwas netter zu dir sein, und mit 2 Kindern ist man eben nicht immer perfekt gestylt :D (ich nicht mal ohne Kinder :D) Deine Familie liebt dich auch so wie du bist :)

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    1. Das stimmt. Die Kids finden mich immer toll und sehen mich mit ihren Augen. Genauso, wie sie für mich eben die hübschesten und niedlichsten Jungs auf der Welt sind. Daran sollte ich öfter denken!

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  3. Bei einer gewissen Mutter im Kindergarten denke ich mir genau das selbe wie du oben beschreibst :) Die muss morgens verdammt viel Zeit haben!! ;)
    Du erinnerst mich gerade daran,dass ich unbedingt neue Schuhe brauche!

    Liebe Grüße

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    1. Oh na dann ab gehts...Schuhe kann man ja eigentlich wirklich nicht genug haben ;)

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