Montag, 31. Dezember 2012

Anti-Vorsätze

Ihr Lieben, ihr kennt das sicher: es ist der letzte Tag des Jahres und ihr steht im vollkommen überfüllten, örtlichen Supermarkt. Der ganze Landkreis ist auf den Beinen, um noch die letzten Dinge für den perfekten Silvesterabend zu kaufen. Ich stehe mit meiner Familie inmitten von all dem Trubel und komme mir vor, als wären wir nicht auf dem Land, sondern wieder in der Großstadt. Gab's hier schon immer so viele Menschen!?
Während ich mich mit dem Großen unterhalte, beobachte ich die beiden Frauen vor mir. Sie unterhalten sich angeregt und immer wieder wehen Fetzen dieser Unterhaltung zu mir herüber.
"...habe mir jedenfalls fest für 2013 vorgenommen, öfter ins Fitnessstudio zu gehen. Und das nicht nur, um mit dem Trainer zu flirten! Nein, ich möchte wirklich mehr für meinen Körper tun."
"Ich auch. Ich habe mir sooo viel für das neue Jahr vorgenommen: weniger Alkohol, mehr Gemüse, keine Schokolade. Und abends keine Kohlehydrate, sondern nur noch Eiweiß."
Während ich ihnen so zuhöre, stelle ich fest, dass das Jahr für mich eigentlich ganz gut gelaufen ist. Natürlich hatte ich so gut wie keine Zeit für Sport, habe aber günstig einen gebrauchten Crosstrainer gekauft und versuche mit seiner Hilfe, in Form zu kommen. Aber so richtige Vorsätze für 2013 habe ich nicht gefasst. Eher Anti-Vorsätze. Also Dinge, die ich auf keinen Fall im neuen Jahr erleben möchte. Das wären zum Beispiel

  • keine Krankenhausaufenthalte, weder von uns noch von den Kindern
  • nie wieder sehen, wie ein Junge meinen Großen tritt, damit er vom drei Meter hohen Spielturm stürzt (!)
  • keine fünf Kilo abnehmen, um sie im Lauf des Jahres gemütlich wieder rauf zu futtern
  • keine Schrammen in mein Auto fahren
  • beim Rasenmähen kein Sommerröckchen tragen und 
  • beim Rasenmähen im Sommerröckchen nicht ausrutschen und der Nachbarschaft dadurch einen unfreiwilligen Blick auf die Unterwäsche bieten
  • keine Diätpläne machen. Das halte ich sowieso nicht lange durch.
Mit diesen guten Anti-Vorsätzen werde ich also den Tag und auch das Blogjahr für mich beschließen. Abends fahren wir zu meinen Schwiegereltern, wir schlafen auch dort. Die Kids gehen abends ins Bett und wir setzen uns bei Bowle und gemischtem Büffet (jeder bringt etwas mit - ich habe Wraps mit Lachs uns Bruschetta vorbereitet) zusammen und warten zusammen gespannt auf Mitternacht. 

Ich wünsche euch allen einen schönen Abend und einen guten Start ins neue Jahr!

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Alle Jahre wieder

Nun liegt Weihnachten wieder hinter uns. Die Feiertage waren ruhig, wenn sie auch aufregend begannen: am 23. Dezember hatte der Kleine plötzlich hohes Fieber, also den Heiligen Vormittag wie so oft beim Kinderarzt zugebracht. Diagnose: bakterieller Infekt. Mit einem Arm voll Medikamente verließen wir die Apotheke unseres Vertrauens. 
Mit den Medikamenten ging es ihm rasch besser. Wir machten unseren geplanten Winterspaziergang (bei circa zehn Grad plus), badeten danach zusammen und nach dem Abendessen gab es eeeeendlich Geschenke!


Unser diesjähriger Baum. Abzüglich der Kugeln, welche die Kinder bereits herunter gerissen haben ;)
Eines der Geschenke vom Großen: ein Regenset für den KiGa, bestehend aus Gummistiefeln, Regenjacke und Regenhose - deren Aufenthaltsort ich gegenwärtig jedoch nicht kenne
Die Geschenke der Kids von der Verwandtschaft. Singende Bücher, singende Autos, singende Tiere. Wo ist das gute alte Holzspielzeug geblieben?

Das extrem coole Geschenk für die Mama. Ein Lipsticktelefon!

Und das hier ist meine Lieblingskugel

Vorgestern waren wir bei meinen Schwiegereltern, gestern war dann mein Teil der Verwandtschaft hier. Es war lecker, laut und lustig. Genau so, wie es eben sein soll, wenn man sich zu den Feiertagen sieht. 
Ich hoffe, ihr hattet auch so schöne Weihnachten!!

Sonntag, 23. Dezember 2012

How I Met Your Father - Part XIV

Kinder, als ich damals meine Begegnung mit Lukas hatte, trug sich einmal in einer Bar folgende Begebenheit zu:
Ich war auf dem Weg zum Tresen, um die vergessene Bestellung unserer Gruppe zu bemeckern. Da stieß ich mit einem jungen Mann zusammen. Er trug eine schwarze Baskenmütze, Baggyhosen und dazu ein kurzärmliges, kariertes Hemd. Er sah richtig lieb aus. 
"Woah, Entschuldigung!", sagte er auch gleich und hielt mich kurz am Arm fest. Er lächelte mich an. 
"Macht nichts", murmelte ich, ein wenig aus dem Tritt gebracht durch seine freundliche, offen wirkende Art. 
"Ich wünsch dir was, ja?" Er drückte kurz meinen Arm und verschwand dann wieder in der Menge. Ich sah ihm kurz nach, dann wandte ich mich um und war in Gedanken sofort wieder bei Lukas - wo ich meiner Meinung nach hin gehörte. 
Bis ich das erste Mal ohne Lukas in der Bar war und den Typen mit der Baskenmütze wieder traf. 

Eure Tante Sandra und ich saßen frustriert an einem Tisch. Tante Sandra hatte den nächstgrößeren Schritt gewagt und eine Nacht mit Robert verbracht. Und seitdem hatte sich Robert, der romantische, charmante Frauenversteher, der sie stets auf Händen getragen hatte, nicht mehr bei ihr gemeldet. 
"Ich wurde ausgenutzt, Mia", sagte sie traurig zu mir. "Das alles war einfach seine Masche, um mich ins Bett zu kriegen. Und ich bin voll darauf reingefallen. Man, ich brauche erst mal was zu trinken!"
"Ich gehe mal sehen, wo unsere Bestellungen geblieben sind, ja?", antwortete ich und stand auf, um zum Tresen zu gehen.
Und stieß dort mit jemandem zusammen. Ich sah auf; vor mir stand der Typ mit der Baskenmütze.
"Hallo!", grinste er, "dich kenne ich doch!"
Wir fingen noch an Ort und Stelle an, uns zu unterhalten. Dann kam er mit zu unserem Tisch, wo eure Tante Sandra ihm ihre traurige Geschichte mit Robert erzählte. Er hörte gewissenhaft zu, blickte aber immer wieder zu mir herüber. Und ich fühlte mich wohl mit ihm. Er hatte so eine herzliche, warme Art, die ich bei Lukas stets vermisst hatte. Es machte Spaß, sich mit ihm zu unterhalten. Bereits nach einer halben Stunde war klar, dass wir uns wieder treffen wollten. Sein Name war Sebastian. 

Zwei Wochen und unzählige Telefonate und SMS später war es dann soweit: Sebastian und ich trafen und in einem gemütlichen, kleinen Café zu unserem ersten Date. Ich weiß noch, dass ich wahnsinnig aufgeregt war; zwar hatte ich es noch nicht geschafft, Lukas' SMS aus meinem Handy zu löschen, doch ich fand, ich war auf einem guten Weg. Ja, es gelang mir endlich, nach vorne zu blicken. 

Dieses Date war das beste erste Date meines Lebens. Wir wussten ja schon, dass wir sehr viel gemeinsam hatten und so gingen uns die Themen nicht aus. Eine Gemeinsamkeit jagte die nächste. Es war alles ganz ungezwungen. 
Er war sehr ehrlich zu mir. Und so erzählte er mir, dass er nach sieben Jahren nun zum ersten Mal wieder Single war. Wir sprachen ganz automatisch über seine Exfreundin, mit der er eine Tochter zusammen hatte. Hintergründig fragte ich mich, wann ich eigentlich in das Alter gekommen war, dass alle Kerle, die ich traf, schon Kinder hatten; doch im Gegensatz zu Lukas, der seine Tochter immer als Grund angesehen hatte, nichts ernstes einzugehen, ging Sebastian sehr locker mit dem Thema um. Und so wurde es auch für mich nicht zu einem Problem. 

Am Ende dieses zauberhaften Dates küssten wir uns. Der Abschied zog sich in die Länge. Und gleich darauf schickte er mir noch eine SMS, wie sehr er sich auf unser nächstes Treffen freute. 

Und dann war es plötzlich vorbei mit ihm. 

Was passiert ist, fragt ihr euch? Nun, seine Exfreundin kam damit nicht zurecht, dass er wieder jemanden kennen gelernt hatte. Und da ihn mit ihr seine Tochter verband, wollte er sie nicht verletzen. 
Was aus ihm geworden ist, kann ich euch leider nicht sagen. Ich habe nie wieder etwas von ihm gesehen oder gehört nach diesem letzten, anstrengenden Telefongespräch
Und was machte ich?
Richtig. 
Ich meldete mich wieder bei Lukas.

Samstag, 22. Dezember 2012

Unser Weihnachtsfest

Bei uns laufen die letzten Weihnachtsvorbereitungen auf Hochtouren. Alle Geschenke sind verpackt, Weihnachtskarten verschickt und in der Nachbarschaft verteilt und alles ist eingekauft. 
Ich freue mich. Dieses Jahr irgendwie ganz besonders. An Heiligabend sind wir zu viert, nur wir als Familie. Wir werden vormittags einen Weihnachtsspaziergang machen, mittags Würstchen mit Kartoffelbrei essen und danach ein Mittagsschläfchen machen. Also die Kinder. Wir schmücken in der Zeit den Baum, dann dürfen die Kids auch nicht mehr ins Wohnzimmer. Nachmittags wir es dann ruhig werden, abends gibt es Lachs mit Nudeln. Als Nachspeise Bratäpfel. Und dann kommt bestimmt bald das Christkind und bringt all die zauberhaften Dinge, die der Große sich gewünscht hat (Feuerwehrkran, Schokolade und Bagger). 
Am ersten Weihnachtsfeiertag sind wir bei meinen Schwiegereltern eingeladen. Es gibt Geflügel zu Mittag und dann werden wir den ganzen Nachmittag dort sein. Mal sehen, vielleicht hat das Christkind für uns dort auch das eine oder andere Geschenk da gelassen!
Am zweiten Weihnachtsfeiertag kommt dann meine Familie zu mir. Meine Eltern und meine Schwester mit ihrem Mann und ihren drei Kindern. Sie bleiben alle über Nacht. Dann wird es hier laut und turbulent im Haus zu gehen. 
Ich freue mich darauf!
Und dann, gerade wenn man sich daran gewöhnt hat, dann ist alles mit einem Schlag wieder vorbei. Die Gäste weg. Die stille Zeit vorbei. Ein bisschen wird sie mir fehlen. 

Wie werdet ihr die Feiertage verbringen?

Mittwoch, 19. Dezember 2012

How I Met Your Father - Part XIII

Kinder, mein Leben war wieder in Ordnung: ich hatte Lukas wieder, Tante Sandra hatte ihren Robert. Es war alles so, wie es sein sollte.
Wir verbrachten viel Zeit zu viert. Lernten uns besser kennen. Wuchsen zusammen. 
Und doch gehörten wie nie ganz zusammen. 
Lukas und ich redeten viel. Natürlich nach wie vor nicht über die wirklich wichtigen Dinge. Nein, wir stritten viel. Über unsere unterschiedlichen Auffassungen von guten Filmen. Über Fußball. Über das Wetter. Bald jedes Thema zwischen uns wurde zu einem Streitthema. 
Trotzdem hielt er es immer unverbindlich zwischen uns, blieb innerlich stets distanziert. Ich hatte nie das Gefühl, ihm richtig nahe zu kommen. Er ließ mich nicht richtig an sich heran. 
Das frustrierte mich. Ich sah bei eurer Tante und Robert, wie sie sich jeden Tag mehr verliebten. Wie er sie in sein Leben ließ. Und ich wollte das Gleiche. 
Also stritten wir auch darüber.
"Schnecke", sagte er oft, "ich kann dir nicht geben, was du willst. Entweder du nimmst mich so, wie ich bin - oder du lässt es. Diese Entscheidung kann ich dir nicht abnehmen."
Also nahm ich ihn so, wie er war. Nicht, dass er das vorher nicht gewusst hätte. Es wäre naiv, anzunehmen, er hätte nicht bemerkt, wie verfallen ich ihm war. 
Doch die Streitereien blieben. Es ging bei kleinen Dingen los, etwa der Frage, wo wir abends hingehen sollten. Sofort wurde er sauer, wenn ich eine Location vorschlug, die ihm nicht passte. Dann regte er an, den Abend getrennt zu verbringen. Daraufhin wurde ich sauer und unterstellte ihm, er würde nur alleine weggehen wollen, um eine andere Frau kennen zu lernen. Das machte ihn noch wütender. 
"Du vertraust mir nicht", stellte er bei einer solchen Gelegenheit fest. 
"Wie sollte ich auch?!", fragte ich. "Du willst mich zwar in deinem Leben haben, aber nur zu deinen Bedingungen. Du möchtest dich nicht festlegen. Weil du nicht weißt, was du willst."
"Ich will nicht immer mit dir streiten." Plötzlich klang er nicht mehr wütend, sondern traurig. Und müde. Unendlich müde.
"Ich auch nicht." 
Wir saßen voreinander und sahen uns an.  
"Schnecke...", begann er, doch ich unterbrach ihn. 
"Ich weiß."
Er musste es nicht aussprechen. Es war uns beiden klar, dass es nicht richtig lief zwischen uns. Und so taten wir, was getan werden musste: wir gingen getrennte Wege.

Samstag, 15. Dezember 2012

Warum die Angst vorm Zahnarzt so verdammt berechtigt ist

Ich hatte gestern einen Zahnarzttermin. Ja, ich gebe es zu, ich habe eine Füllung gebraucht. Üüüüberhaupt nicht schlimm, wie mir der Zahnarzt versicherte. Keinerlei Schmerzen oder Nachwirkungen. Ein Zuckerschlecken!
Mein Plan sah vor, alleine zum Zahnarzt zu gehen. Denkste!
"Großer, die Mama muss zum Zahnarzt. Du spielst in der Zeit, wo ich weg bin, hier zu Hause schön mit dem Papa und deinem Bruder, ja?"
"Nein, Mama. Ich komm' mit. Ich warte dann im Wartezimmer auf dich."
Und so war es auch. Der Große traut seinem Papa nicht recht über den Weg und wird morgens schon nervös, wenn nicht ich, sondern er ihn weckt. Also zu viert ab zum Zahnarzt, denn der Kleine muss natürlich auch mit. 
Ich will hier niemandem Angst machen. Aber es war ein Alptraum.
Erst näherte sich der ältere Herr (trug doktorhaft wirkende, türkisgrüne OP-Hose wie im Krankenhaus. Dazu feingeripptes, weißes Unterhemd. Im D e z e m b e r!) und guckte noch mal nach. Quasi zur Sicherheit. Nicht, dass er aus Versehen was falsch macht da drinnen.
"Ja, da werden wir jetzt gleich mal einspritzen!", verkündete er fröhlich und jagte mir sogleich die Spritze in den Mund. Ich bin nach zwei Entbindungen nun wirklich nicht schmerzempfindlich. Aber das tat dann doch weh. 
Dann wurde alles taub. Sogar meine Zunge. Sie lag schwer in meinem Mund und wollte auch beim Sprechen nicht behilflich sein. Die Folge: ich lallte. Als wäre ich besoffen. 
Da hätte ich lieber den Vollrausch gehabt, als diese Behandlung.
Dann kam der gefürchtete Bohrer zum Einsatz. Es gab genau eine Stelle in meinem Mund, die nicht komplett taub war. 
Dort war das Loch. 
Rückblickend finde ich es toll von mir, dass ich nicht wild um mich geschlagen habe, sondern - vor Schock, so meine ich - starr liegen geblieben bin. Abgekämpft, mutlos und desillusioniert stakste ich nach einer endlos scheinenden halben Stunde zu meiner liebenden Familie zurück.
"Mama! Da bist du ja endlich! Ich habe dich schon sehr vermisst!", rief der Große und sprang mir auf den Arm. Auch der Kleine - mit seinen Zärtlichkeiten meist eher sparsam - kam auf mich zugewackelt, um umarmt zu werden. Oh, das tat gut! Diese Wärme! Diese Liebe! Sofort ging es mir besser.
Bis heute morgen. Das Gesicht ist geschwollen und blau. Essen würde zwar gehen, empfiehlt sich aufgrund mangelnden Appetits jedoch nicht wirklich. 
Ich werde nun wieder auf die Couch zurück kriechen. Sie an mich drücken, froh sein, dass ich sie habe. Dass wir es im Vergleich zu dem Schlimmen, das in der Welt passiert, unendlich gut haben. Mein Schmerz wird in ein paar Tagen vorbei und sogar vergessen sein. Aber es gibt andere Arten von Schmerz, die nie vergehen. 
Ich hoffe wirklich, dass ich nie Bekanntschaft mit ihnen mache.

Donnerstag, 13. Dezember 2012

The winner takes it all

Da  bekomme ich ein einziges Mal Post, auf die ich mich schon gefreut habe - und dann bin ich nicht zu Hause. Jeden Tag der Woche bin ich zu Hause, wenn unsere Postfrau winkend vorbei fährt und nichts für uns hat. Und heute, wo ich für mein (selbstredend äußerst geduldiges) Warten belohnt werde, bin ich gar nicht daheim. Aber macht nichts, wir haben einen großen Briefkasten :)

Wovon ich rede, wollt ihr wissen? Ich habe bei einem Gewinnspiel mitgemacht, bei der lieben Frau busybee. Auf ihrem wunderbaren Blog schreibt sie von ihrem Alltag als Mutter von Pippi und Frau vom Popstar. 
Jedenfalls habe ich gewonnen! Und heute war mein Gewinn eben in der Post. Ich zeige ihn euch mal kurz, ja?

Ein HappyMaker Anhänger und eine liebe Karte

Wie ihr euch vorstellen könnt, habe ich mich sehr gefreut!


Und nun verbringe ich den extrem kalten Abend mit den Kindern auf der Couch. Der Große ist vom Schlittenfahren im Kindergarten schon ein bisschen müde. Nur der Kleine fetzt mit ungebrochener Energie durch die Gegend. Frage mich doch ernsthaft, wo er die hernimmt, so wenig, wie er schläft. Diese Fähigkeit hätte ich auch gerne, aber ich bin immer nur müüüde. Na ja. Irgendwann muss das mit den Nächten bei uns ja mal dauerhaft besser laufen! Alles, was ich brauche, ist noch ein unendliches bisschen Geduld ;)


Samstag, 8. Dezember 2012

Samstagabendgedanken

Manchmal, wenn ich tatsächlich mal einen Moment Ruhe habe, staune ich darüber, wo mich mein Leben hingeführt hat. 
Heute war der Große überraschend anhänglich. Auf dem Weihnachtsmarkt wich er mir nicht von der Seite, wollte immer an der Hand bleiben. Wieder daheim wollte er dann auf meinem Schoß sitzen und schmiegte sich an mich. 
"Mama?", sagte er mit fragendem Unterton. 
"Ja, mein Herz?"
"Du bist mein liebster Freund!"
"Oh, das freut mich. Du bist auch mein liebster Freund."
"Wir bleiben immer zusammen, gell? Bis wir alt sind."
"Na sicher machen wir das. So lange du willst."
Das gefiel ihm. Eine Weile überlegte er, was er alles machen könnte, wenn er erst älter wäre (Auto fahren, viel TV schauen, die Kommode erreichen, auf welchem der Adventskalender steht und alle Türchen auf einmal öffnen), dann wurde er wieder ernst. 
"Mama!", sagte er. "Ich hab dich am liebsten auf der Welt!"
"Ich dich auch, Herzchen. Dich und deinen Bruder und deinen Papa."
Mit dieser Antwort war er zufrieden. Er holte sich ein Auto, setzte sich dann wieder neben mich und fuhr mit dem Auto meinen Arm rauf und runter. Und dachte zurück an all die Jahre, die ich ohne Kinder war. 
Was für eine vollkommen andere Gefühlswelt! Da gab es lange Zeit nur mich, um die ich mir Gedanken machen musste. Freunde natürlich und Familie, klar. Aber ich hatte für mich allein die Verantwortung. 
Irgendwann kam dann der Papa der Kids dazu. Ich dachte, ich könne nie einen Menschen mehr lieben als ihn. 
Wie habe ich mich getäuscht. 
Natürlich ist es eine andere Art der Liebe. Eine andere Form. In meinem Leben komme nun nicht mehr ich an erster Stelle, sondern die Jungs. Das wird sich in ein paar Jahren, wenn sie ihre eigenen Wege gehen oder selber Familien gründen, wieder ändern. Die Prioritäten werden sich verschieben. Erst werden sie stundenweise verschwinden, nachmittags zum Spielen zu ihren Freunden. Dann vielleicht für Tage oder Wochen. Oder sogar ausziehen, in eine andere Stadt oder sogar ein anderes Land. Wer weiß, wohin ihr Weg sie führen wird. Aber trotzdem werde ich nie aufhören, mich um sie zu sorgen. 
Und so genieße ich den flüchtigen Moment in der Gegenwart. Und freue mich auf all die Dinge, die noch kommen. 

Freitag, 7. Dezember 2012

Die Weihnachts-Allianz

Rückblick: Es ist September. Die Oma meines Mannes, die Mutter meiner Schwiegermutter, wird langsam unruhig. Sie blättert die Prospekte durch, die der Supermarkt verteilen lässt. 
"Die Butter ist wieder im Angebot!", freut sie sich. "Die kaufe ich und friere sie ein. Die brauche ich bald fürs Plätzchenbacken!"
Wir anderen tauschen besorgte Blicke. Die Oma beginnt jedes Jahr früher mit dem Plätzchenbacken. Ihrer Tochter und mir stinkt das. Darum heißt es jedes Jahr bei uns: Team Oma gegen Team Lipstick. Meine Schwiegermutter und ich bilden die Weihnachts-Allianz, um gegen die Oma anzukommen. 
Wir verlieren jedes Jahr. 
Egal, wie oft wir uns treffen, um Plätzchen zu backen oder mit den Kindern Weihnachtliches zu basteln - die Oma ist uns stets einen Schritt voraus.
Basteln wir Strohsterne, hat sie bereits aufwendige aus Perlen gefertigt. 
Dekorieren wir den Garten mit Tannenzweigen, stellt sie sich einen ganzen, leuchtend-schillernden Baum vor die Haustür.
Backen wir einen Stollen, bäckt sie zwei.   
Es ist jedes Jahr das gleiche.

Ich ärgere mich heute noch über die Sache mit den Rumkugeln.
Für die hatte ich nämlich ein wirklich gutes Rezept. Um meinen lieben Schwiegervater zu erfreuen, der diese Schleckerei sehr mag, machte ich ihm welche. 
Und ließ die Oma probieren.
Sie war recht angetan. Unauffällig erkundigte sie sich nach dem Rezept, welches ich ihr gutgläubig gab.
Seitdem macht sie jedes Jahr die Rumkugeln. 
Und erzählt, das Rezept habe sie sich selbst überlegt. 

Nun zeige ich euch noch das Nikolaussäckchen, welches der Große im Kindergarten abgestaubt hat. An sich war es recht nett, mit dem Nikolaus, hat er mir mittags, als ich ihn abgeholt habe, erzählt. Aber ein bisschen gerügt hat er doch, weil der Große noch nicht immer alles wieder aufräumt. Na, das darf er ruhig. Also rügen, meine ich. Vielleicht klappt das mit dem Aufräumen daheim dann auch besser ;)



Samstag, 1. Dezember 2012

Advent, Advent...

Heute haben wir einen Ausflug gemacht! Wir waren mit meinen Schwiegereltern auf einem Weihnachtsmarkt. 
Wenn man mit Eltern - seien es nun die eigenen oder die angeheirateten - auf derlei Veranstaltungen geht, fühlt man sich selbst schnell wieder als Kind. Woran das liegt? 
"Mia, möchtest du etwas essen?"
"Mia, magst du einen Kinderpunsch?"
"Mia, guck mal da hinten, da gibt es Sterne aus Perlen, die gefallen dir doch so gut!"
Und soll ich euch was sagen?
Ich habe diese Betüdelei richtig genossen. Nach all den Wochen mit Krankenhausaufenthalten, Arztbesuchen und durchwachten Nächten genoss ich  es, nun einmal selbst betüdelt zu werden.
Natürlich hat der Ausflug jedem gut gefallen. 
Meiner Schwiegermutter, da sie ein paar hübsche Strohengel gefunden hat. 
Meinem Schwiegervater, da es Glühwein und Bratwürste gab.
Meinem Mann, weil die Kinder brav waren.
Dem Großen, weil er zweimal Karussell fahren durfte. 
Dem Kleinen, weil er von allen Leckereien probieren durfte. 
Und mir?
Mir gefiel es aus so vielen Gründen. Weil das Wetter gut war. Weil wir alle beisammen waren, relativ gesund und gut gelaunt. Ich konnte mich gar nicht entscheiden, was mir am besten gefallen hat. 
Nun sind die Kinder müde und abgekämpft im Bett. Auch für sie war es ein langer Tag. Auf dem Rückweg schliefen die Kids im Auto ein, die Köpfe aneinander gelehnt. Vielleicht hat mir das am besten gefallen. Dieses seltene Bild der vollkommenen Harmonie. 

Apropos Bilder. Da ihr euch so über meine Bilder gefreut habt, zeige ich euch noch schnell unseren Adventskranz, bei dem wir morgen die erste Kerze entzünden werden. 

Einen schönen ersten Advent euch allen!


Freitag, 30. November 2012

How I Met Your Father - Part XII

Kinder, heute erzähle ich euch, wie die Geschichte mit Lukas weiter ging - und warum er plötzlich vor meiner Haustür stand.

Es wurde langsam Winter und die Nächte waren bitterkalt. Ich schlief (als ich euch noch nicht hatte schlief ich rückblickend viel mehr) und wurde durch das Klingeln meines Handy geweckt. Schläfrig warf ich erst einen Blick auf die Uhr - etwa drei Uhr nachts - dann auf das Display. 
Und war mit einem Schlag hellwach. 

"Hallo?", sagte ich in den Hörer. Mein Herz klopfte und ich war zitterig. 
"Mia?" Oh, diese Stimme. Wie sehr hatte sie mir gefehlt. 
"Hier ist Lukas."
"Hallo", sagte ich, zugegeben etwas lahm. 
"Ich...ich..." Er verstummte wieder. Wir schwiegen, gut eine Minute lang. Trotzdem musste ich lächeln. Mit ihm zu schweigen schien mir so viel besser, als es ohne ihn zu tun. 
"Wo bist du?", fragte er schließlich in die Stille hinein. Gerne hätte ich mir einen coolen Ort überlegt, war aber schon immer eher der uncoole, ehrliche Typ.
"Zu Hause", antwortete ich deshalb. Einen Moment herrschte wieder Schweigen. 
"Das ist gut", erwiderte er. "Denn ich stehe vor deinem Haus und schaue zu deinem Fenster hoch."
Natürlich sprang ich sofort aus dem Bett - im flauschigen, absolut unattraktiven Pyjama, mit verstrubbelten Haaren, ungeschminkt und insgesamt zerknautscht aussehend. Und tatsächlich, da stand er. Das blonde Haar unverkennbar in der Dunkelheit leuchtend, eine Hand wärmend in der Tasche seiner Lederjacke steckend, die andere das Telefon ans Ohr haltend. Den Blick nach oben gerichtet, wo er meinen fand. 
Unnötig zu erwähnen, dass ich im flauschigen Pyjama die Treppen nach unten flog und ihn in die Wohnung ließ, oder?

Wir haben viel geredet in dieser Nacht. Über gemeinsame Bekannte und Freunde, über unsere Jobs, über das Leben im Allgemeinen. Nur nicht über uns. Keiner von uns beiden sprach an, dass er eine gemeinsame Zukunft kategorisch ausgeschlossen hatte. Wir waren im Jetzt und ich hatte beschlossen, jede Sekunde davon zu genießen. Denn ich wusste, dass das Glück mit ihm nur von kurzer Dauer sein würde. 

Wie es weiter ging, wollt ihr wissen? Nun, ich werde es euch bei Gelegenheit erzählen. Denn erstaunlicherweise blieb er doch in meinem Leben.
Zumindest für eine Weile... 

Donnerstag, 29. November 2012

Der (Halb-)Tag in Bildern

Nachdem gestern hier der leise Wunsch nach Bildern laut wurde (nettes Wortspiel, oder?) dachte ich, ich zeige euch heute mal, was wir heute bisher gemacht haben. 

Wieder einmal die Adventskalender bewundert. Der erste gehört dem Kleinen, der mittlere dem Großen und der letzte uns  als Eltern zusammen.

Apfelmus gegessen, das der Große selber im Kindergarten gemacht hat. Wir waren alle drei begeistert!

Uns über den Löschzug gefreut, den der Große gebaut hat. Es lebe die Kreativität!

Einen Plätzchenteig vorbereitet, für Marzipansterne, den wir am Nachmittag verarbeiten werden. Ihr wollt das Rezept? Das gibt es hier *klick*

Mich über meine neuen Stiefeletten gefreut, die heute in der Post waren. Kostenpunkt? Acht Euro.

Einfach so für den Papa eine Blume gebastelt

Mittwoch, 28. November 2012

In der Weihnachtsbäckerei

Zurzeit ist es bei uns angenehm ruhig. Die Kinder sind gesund (okay, das war jetzt gelogen. Der Große hustet nach wie vor und ist leicht verschnupft, der Kleine hatte einen nicht näher bestimmbaren, bakteriellen Infekt und muss noch ein paar Tage Antibiotikum nehmen. Die Nächte sind wieder unruhig und ich bin permanent müde. Daher auch leicht grantig. Aber da wir es erst letztens viel schlimmer erwischt hatten, habe ich mich eben zu dieser euphorischen Aussage hinreißen lassen). Für meinen Mann habe ich bereits einen Adventskalender gebastelt und die der Kinder stehen aufmachbereit auf dem Schrank. Man merkt: das Haus stellt sich auf Weihnachten ein. 
Natürlich dürfen da die Plätzchen nicht fehlen. Ich muss sagen, ich habe meine Plätzchen gerne klein, niedlich und aufwendig verziert. 
Das geht mit meinen Kindern nicht. 
Der Kleine sabotiert, wo er nur kann. Er ist eifersüchtig, weil der Große und ich uns nicht mit ihm, sondern mit unserem Teig beschäftigen. Also drängelt er sich dazwischen oder räumt die ganzen Schränke aus, um unsere Aufmerksamkeit zurück zu gewinnen. Es muss also alles recht schnell gehen, damit wir fertig werden. 
Wir machen Spitzbuben, stechen Winnie Pooh und Ferkel-Formen aus. Natürlich auch ein paar Sterne, Herzen und Tannenbäume. Wir kleben sie sorgsam mit Marmelade zusammen und freuen uns darüber, wie schön die fertigen Plätzchen mit Puderzucker bestäubt aussehen. 
Wir formen Kugeln und Kipferl und setzen sie vorsichtig auf das Backblech. Die Kipferl vom Großen sehen aus wie riesige, krumme Hufeisen, doch für mich sind sie die schönsten Plätzchen der Welt. Er ist so stolz, dass er mitmachen darf und freut sich, dass ihm das Formen so gut gelingt. 
Das Aufräumen hintennach überlässt er großzügig mir ;) doch das stört mich nicht. Ich höre den Kids zu, die im Wohnzimmer nebenan spielen, rieche den Plätzchenduft von den auskühlenden Kunstwerken und freue mich, dass bis Weihnachten noch jede Menge Zeit fürs Plätzchenbacken ist.


Samstag, 24. November 2012

How I Met Your Father - Part XI

Kinder, nach dem Ende meiner Begegnung mit Lukas musste es irgendwie weitergehen. Also tat ich etwas, das ich noch nie getan hatte - ich konzentrierte mich auf meine Ausbildung - und versuchte erfolglos, nicht an ihn zu denken. 
Aber irgendwie war er immer da. 
Ich konnte seine Anwesenheit spüren, wenn ich die Disco betrat, in der wir uns kennen gelernt hatten. 
Ich konnte seine Stimme hören, wenn eure Tante Sandra mit seinem Freund Robert telefonierte. 
Ich konnte sein Gesicht vor mir sehen, wenn ich an den Plätzen vorbei kam, an denen wir zusammen gewesen waren.
Für ihn war das anders, nahm ich an. Für ihn war ich nur irgendjemand gewesen. Er machte weiter, lernte andere, bedeutungslose Frauen kennen, die er nicht an sich heran ließ. Gab sich unnahbar, mysteriös. Wie er es immer getan hatte. 
Ich begann darüber nachzudenken, dass es das gewesen war, was mich an ihm gereizt hatte. Dieses Unnahbare, diese harte Schale. Ich hatte mir eingebildet, sie knacken zu können. Ich hatte sehen wollen, was er darunter verbarg - was für ein Mensch er wirklich war. Und es war, wie in dieser Songtextzeile.
And it hurts me that I never really knew him.

Die Wochen vergingen. Ich ging zu einem Date mit einem wirklich netten Mann, mit dem ich mich gut unterhielt. Doch er war es, der am Ende des Treffens feststellte, dass wir uns wohl nicht wiedersehen würden. Weil ich seiner Meinung nach - wenn auch nicht sichtbar - immer noch mit jemand anderem verbunden war.
Und er hatte Recht.

Aus Wochen wurden Monate. Und es ging mir besser. Natürlich dachte ich an ihn, überall. Zu jeder Tages- oder Nachtzeit. Obwohl er aus meinem Leben verschwunden war, war er allgegenwärtig. Nicht greifbar, eher flüchtig wie Nebel. Eine Erinnerung. Aber nach wie vor eine sehr starke. 
Doch ich blickte nach vorne. Sah auf das, was ich hatte. Und langsam begann er, zu verblassen. 
Bis er eines Nachts plötzlich vor meiner Haustür stand. 


Dienstag, 20. November 2012

Aufbrezeln erlaubt

Heute Abend gehe ich endlich mal wieder zu unserem Stammtisch - heißt: die Mütter aus der Krabbelgruppe, in welcher der Große und ich vor Jahren mal waren, gehen zusammen zum Italiener. Das letzte Mal ist schon relativ lange her und so freue ich mich auf einen unterhaltsamen Abend. 
Natürlich hübsche ich mich zu diesem Anlass auf. Die Augenbrauen werden sorgsamer als sonst gezupft, das Make-Up fällt üppiger aus und die Kleidung wird nicht zweimal, sondern dreimal auf Spuckeflecken untersucht. 
An sich sehen wir uns ja fast jeden Tag im Kindergarten. Entweder beim Holen oder Bringen der Kinder. Aber da ist meist nicht viel Zeit, sich ausgiebig zu unterhalten oder über die eigene Brut zu lästern. Das wird dann an solchen Abenden wie heute nachgeholt. 
Die Kids merken, dass eine andere Stimmung in der Luft liegt. Misstrauisch beäugt der Große meine (heute sehr kleine) Tasche, die bereits gepackt im Flur steht. 
"Gehst du noch weg?", will er wissen und zieht einen Flunsch.
"Nein, nein", beeile ich mich zu versichern, "erst wenn du im Bett bist. Da merkst du das gar nicht."
"Und wenn ich wach werde, bist du dann da?!"
Oh oh. 
"Kann sein, Herzchen. Ansonsten rufst du eben nach dem Papa, ja?"
Ganz fair kommt ihm dieser Deal nicht vor. Er möchte lieber sofort ins Bett gehen, damit er nicht miterleben muss, wie ich das Haus verlasse. Eine treuere Seele findet man kaum.
Und doch werde ich für einen Moment erleichtert sein, wenn ich die Haustür hinter mir schließe. Natürlich wird sich wie an jedem anderen Abend heute alles um die Kinder drehen. Sie werden in allen Themen enthalten sein. Aber es wird schön sein, sich mit den anderen auszutauschen und festzustellen, dass sie die gleichen Erfahrungen machen. So ist es manchmal leichter, Trotzanfälle und Bockphasen über sich ergehen zu lassen. Man weiß: du bist damit nicht alleine. Andere Kinder machen das auch. 
So. Nun mache ich mich fertig. Und dann lasse ich es mir schmecken ;)

Freitag, 16. November 2012

Der perfekte Tag

Statistisch gesehen ist es genauso oft Freitag wie Montag. 
Aber irgendwie kommt es einem nicht so vor. Mir kommt es immer so vor, als wäre der Freitag ganz schnell vorbei und der Montag würde ewig dauern.
Nun fragt ihr euch vielleicht, wieso ich mich so auf den Freitag freue - schließlich bin ich ja in Elternzeit. Aber der Freitag ist irgendwie ein ganz besonderer Tag.
Es beginnt damit, dass der Große freitags im KiGa Turnen hat. Das liebt er! Seine Erzieherin trommelt, die Kinder wuseln wild durcheinander, wenn sie aufhört, bleiben sie stehen. Oder sie bekommen selbst Instrumente und eines der Kinder gibt dann statt der Erzieherin den Rhythmus vor. Aufs Turnen freut er sich die ganze Woche. 
Mittags, wenn der Kleine und ich ihn vom KiGa abholen, kommt meist der Papa gerade nach Hause, der den Nachmittag frei hat. Große Freude! Ich koche uns allen etwas Nettes, das jeder mit der ihm eigenen Begeisterung isst. 
Der Große: "nein, Mama, das mag ich nicht. Kartoffelbrei mit Soße? Was für eine Soße? Ich will lieber Kartoffelbrei pur."
Der Kleine: "Nam nam"...schieb, greif, Portion aufgegessen.
Die Mama: "ach, soll ich das jetzt wirklich essen? Wollte ja eigentlich vor Weihnachten noch ein bisschen abnehmen, damit ich dann bei den Plätzchen kräftiger zulangen kann, ohne gleich meine Hosen zu sprengen."
Der Papa: "Egal, was es ist, es schmeckt gut. Mehr davon!"

Nach dem Mittag gehen wir zusammen fürs Wochenende einkaufen. Morgen gibt es Lasagne, das essen alles gerne. Wir flanieren zusammen durch die Stadt, wo es Freitag immer zugeht. Wir grüßen nach allen Seiten und laufen vielleicht sogar der Oma der Kids über den Weg. 
Genau genommen ist es eigentlich kein besonderer Tag, dieser Freitag. Im Sinne davon, dass etwas Sensationelles passiert. Nein, das nicht. Aber es ist der erste Tag des Wochenendes, den wir gemeinsam als Familie verbringen. Und das macht ihn für mich zum perfekten Tag.

Dienstag, 13. November 2012

Ich geh' mit meiner Laterne

Gestern war hier im Ort Sankt-Martins-Umzug. Wir waren sooo gespannt, wie es dem Großen gefällt. Er war schon Tage vorher richtig aufgeregt und konnte es gestern gar nicht glauben, dass es endlich soweit ist. Natürlich hatte er im Kindergarten eine niedliche, kleine Laterne gebastelt. 
Bewaffnet mit der Laterne, dem Papa, dem Kleinen und der Oma im Gefolge machen wir uns auf den Weg zum Stadtplatz. Unterwegs holen wir unsere Freundin und deren Tochter ab. Die Kinder gehen in der Mitte, halten Händchen und erzählen sich aufgeregt von Sankt Martin, geteilten Mänteln und  Bettlern.
Schließlich treffen wir ein. Auf dem ganzen Platz wimmelt es von Kindern. Wir entdecken ein paar Mütter, mit denen wir uns gleich unterhalten. Die Kinder zeigen sich ihre Laternen und werden immer unruhiger. 
Es wird dunkel. Da! Da vorne kommt Sankt Martin auf seinem Pferd. Der Große ist ganz ergriffen. So oft hat er diese Geschichte gehört und nun erlebt er sie wirklich. Er darf ganz vorne im Laternenzug gehen, an der Hand seiner Lieblingserzieherin. Sie gehen direkt hinter dem Pferd und singen Laternenlieder. 
Mein Herz geht auf. Ich bin so stolz auf ihn! Er bewegt sich so natürlich in der großen Gruppe von Kindern, überall haben sie seinen Namen gerufen. 
Nach dem Umzug gibt es eine kurze Andacht in der Kirche. Die Lichter gehen aus und die Kinder halten ihre leuchtenden Laternen nach oben. Dazu singen sie. Es ist wunderschön. Sogar der Kleine, der in seinem Schneeanzug besonders niedlich aussieht, bislang aber auf dem Schoß der Oma gewütet hat, wird still. 
Als Martinsgabe bekommen die Kinder noch eine Breze geschenkt. Und dann ist das Zauber wieder vorüber. Wir sammeln den Großen wieder ein und schlendern langsam nach Hause. Nachdenklich geht er an meiner Hand und betrachtet das Licht der Laterne, die sich sanft mit seinen Schritten auf und ab bewegt. 
"Na, mein Großer, hat es dir gefallen?"
Er drückt nur meine Hand, antwortet mir aber nicht. Das macht nichts. Ich verstehe ihn auch so.

Montag, 12. November 2012

How I Met Your Father - Part X

Kinder, nachdem ihr das letzte Mal so ungeduldig auf die Fortführung meiner Geschichte warten musstet, erzähle ich euch heute weiter, was damals zwischen mir und Lukas passierte.
Nach diesem ersten Kuss schrieben wir fleißig SMS hin und her. Und doch war es mit ihm nicht so wie zwischen Tante Sandra und ihrem Robert, die wie ein glücklich verliebtes Paar wirkten - auch wenn er ihr gesagt hatte, eine Beziehung käme für ihn vorerst nicht in Frage. Es blieb immer ein bisschen Distanz zwischen uns. Lukas gab sich gerne unnahbar. Er schien ein wandelndes Rätsel zu sein. Auf der einen Seite meldete er sich häufig, auf der anderen machte er nach wie vor den Eindruck, nur flüchtig an mir interessiert zu sein. Aus diesem Verhalten wurde ich nicht schlau. Und es reizte mich, herauszufinden, was dahinter steckte. 
Zu dieser Zeit hatten Tante Sandra und ich gerade mal wieder einen Block Berufsschule. Doch statt dem Unterricht zu folgen, wie ihr es gefälligst immer tun werdet, schrieben wir uns Briefchen über die Situation mit unseren Kerlen. Wir lösten Kreuzworträtsel und hörten Musik mit unseren MP3-Playern. Uns interessierte nichts außer Lukas und Robert.
Diese Einstellung war natürlich nicht gut, sorgte sie doch dafür, dass wir uns in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis befanden; meldeten sie sich, war unsere Laune so schön wie der wärmste Sommertag. Meldeten sie sich nicht, herrschte emotionaler Winter. 
"Wir müssen", sagte eure Tante schließlich, "die Situation klären. Wir müssen mit den beiden reden und dann sollen sie uns sagen, woran wir sind. Sonst macht das alles keinen Sinn."
Ich nickte, denn sie hatte Recht. Und so trafen wir uns mit Robert und Lukas zu einer Aussprache. 
Robert, wie üblich der freundliche Frauenversteher, erklärte eurer Tante, dass er vor ein paar Monaten eine langjährige Beziehung beendet hätte. Er wolle erst vollständig damit abschließen, ehe er eine neue Beziehung eingehen würde, denn er hatte den Eindruck, Sandra würde etwas sehr Ernstes für ihn werden. Natürlich verstand sie ihn und war überglücklich.
Lukas dagegen druckste herum.
"Ich weiß nicht, was du von mir willst, Schnecke. Es ist doch alles gut zwischen uns." Er nahm eine Strähne meines Haars in die Finger und sah mich tief an. Aber diesmal ließ ich mich von seiner attraktiven Verpackung nicht um den Verstand bringen. Ich blieb am Ball.
"So wie das jetzt ist - dass du dich immer zurückziehst, wenn du es willst und wir uns meistens nur dann sehen, wenn dir der Sinn danach steht - so kann es nicht weiter gehen. Das möchte ich nicht. Kannst du mich da nicht ein kleines bisschen verstehen?"
Er seufzte (sehr sexy). Ich konnte es nicht glauben, dass wir hier tatsächlich saßen - ein absoluter Durchschnittsmensch wie ich und das krasse Gegenteil von Durchschnitt wie er - und ich ihm tatsächlich gerade indirekt gesagt hatte, dass ich ihn nicht mehr sehen wollte, würde er sich nicht ändern.
Ja, war ich denn verrückt!?
Er zog ein Foto aus seiner Tasche und hielt es mir hin. 
"Das ist der Grund, wieso aus uns beiden nichts werden kann", sagte er dann. Im Hinterkopf registrierte ich, wie mich seine Worte trafen, während der andere Teil von mir mit dem Foto in seinen Händen beschäftigt war. 
"Wer ist das?", fragte ich, während ich auf das circa sieben Jahre alte Mädchen blickte. 
"Das ist meine Tochter. Sie kommt für mich immer an erster Stelle. Ich habe es versucht, jemanden kennen zu lernen...die meisten kommen nicht damit zurecht, dass sie zuerst kommt. Und selbst wenn du da anders wärst - SIE hat ein Problem mit meinen Freundinnen. Nach der schwierigen Trennung von ihrer Mutter möchte ich ihr nicht noch mehr zumuten."
Auf einmal wirkte er unglaublich traurig. "Es ist wohl besser", sagte er tonlos, "wenn wir uns nicht mehr sehen."

Samstag, 10. November 2012

Pyjama Party

Ich bin ein extremer Befürworter einer guten Beziehung zwischen Großeltern und Enkeln. Meine und auch die Eltern meines Mannes werden also soweit es geht in den Alltag der Kids eingebunden, gehen zu Kindergartenfesten mit und sonntags wird meist zusammen ein Ausflug gemacht. Da war es unvermeidlich, dass der Große irgendwann den Wunsch äußert, bei der Oma zu übernachten. 
Und heute ist es soweit. 
Es ist merkwürdig, als ich mich von ihm verabschiede. Während ich ihm über den Kopf streiche, sehe ich sein Zimmer vor mir, das heute Abend leer sein wird. Ich werde mich nicht zu ihm ins Bett legen und ihm etwas vorlesen. Es wird keinen Streit beim Zähneputzen geben und niemand wird morgens aus seinem Zimmer spazieren und mit den Worten "guten Morgen Mama!" in mein Bett schlüpfen.
Auf der anderen Seite habe ich so die Möglichkeit, mal den Kleinen allein zu genießen. Wir sind zwar nun jeden Vormittag zu zweit, aber da ist ja der Papa nicht dabei. Also können wir uns eine schöne Zeit zu dritt machen. 
Und dann wenn der Kleine im Bett ist, sind da nur noch wir beide. Mein Mann und ich. So wie früher. Wir wollen ein bisschen DVD gucken, Pizzabaguettes dazu verputzen und die Ruhe genießen.
Nichtsdestotrotz werde ich morgen natürlich nach dem Aufstehen als erstes bei der Oma durchklingeln. Und WEHE sie geht dann nicht hin, dann hält mich hier nichts mehr ;)

Mittwoch, 7. November 2012

How I Met Your Father - Part IX

Kinder, heute erzähle ich euch endlich die Geschichte weiter, wie ich damals euren Vater kennen gelernt habe. 
Während Tante Sandra sehr glücklich mit ihrem Robert SMS schrieb, blieb mein Handy stumm. Kein Anruf, kein Lebenszeichen von Lukas. Doch ich sagte mir: das hast du doch sowieso schon vermutet. Er sucht nicht nach etwas Festem, so wie du. Er ist nicht an dir als Person interessiert sondern vermutlich nur an einer schnellen Nummer. 
Zwei Wochen lang passierte nichts. Dann gingen eure Tante Sandra und ich wieder abends weg. 
Wir trafen auf Robert und Michael. Michael sagte gleich zur Begrüßung, nach Lukas müsse ich gar nicht suchen. 
"Der ist heute garantiert in einer anderen Disco und hat bestimmt was mit ner anderen Frau."
"Es ist ein freies Land", gab ich mich lässig, "er kann machen, was er will."
Doch natürlich war ich tief getroffen, als ich meine schlimmen Vermutungen bestätigt sah. 
Umso überraschter war ich, als im Verlauf des Abends doch noch Lukas auftauchte. Augenblicklich verschwand Michael. 
Anfangs unterhielten Lukas und ich uns noch ganz normal. Doch mit steigendem Alkoholpegel sank meine Hemmschwelle. (Darum, liebe Kinder: KEIN ALKOHOL, BIS IHR DREIßIG SEID!!!)
"Sag mal", begann ich, "wieso hast du dich eigentlich nicht bei mir gemeldet!?"
"Das kann ich dir sagen." Er fuhr sich mit den Fingern durch seine perfekte Frisur und verlagerte sein Gewicht, sodass er ein bisschen näher bei mir stand.
Meine Güte, ich fand alles an ihm attraktiv. Ich hätte ihn selbst in einem Müllsack noch für anbetungswürdig befunden. 
"Ich habe deine Nummer nie bekommen", erklärte er dann.
"Was?" Gedanklich war ich nicht ganz bei der Sache gewesen. Sein Anblick lenkte mich einfach zu sehr ab. "Aber ich habe die Nummer doch in Michaels Handy eingespeichert!"
"Und der hat sie gelöscht. Ich konnte in seinem ganzen Nummernspeicher keine Mia finden."
Mir wurde warm bei dem Gedanken, dass er nach meiner Nummer gefahndet hatte. 
"Aber heute habe ich mein Handy mit." Lukas zog sein Mobiltelefon aus der Tasche. "Damit nichts mehr schief gehen kann."
Natürlich speicherte ich meine Nummer sofort in sein Handy. Ich kontrollierte sie zweimal. Man weiß ja nie. 
"Hey, Mia. Küsst du mich dann endlich mal!?"
Frech grinste er mich an. Meine Antwort sucht bis heute seinesgleichen an Schlagfertigkeit.
"Äh?"
Er musste lachen. 
Und dann küsste er mich.

Dienstag, 6. November 2012

Unter Saboteuren

So halbwegs schwimme ich gesundheitlich wieder obenauf. Immerhin sehen beide Augen wieder normal aus, meine Bindehautentzündung ist weg. Das Halsweh ist einem besonders nachts nervenden Husten gewichen, nur die Nase ist noch zu. Doch insgesamt kann man sagen, es geht mir wirklich besser.
Natürlich bleibe ich im Gegensatz zu meinem Mann, der die Meinung vertritt, er müsse sich so lange ruhig halten, bis er nicht mal mehr einen Schnupfen hat, nicht mehr tatenlos liegen. Gestern ging es hier richtig rund! Vormittags, als der Große im Kindergarten war, putzte ich die meisten Fenster im oberen Stockwerk. Nachmittags gings raus mit den Kids in den Garten. Ich liebe unsere Obstbäume ja sehr, aber das viele Laub, das den Rasen bedeckt hat, fand ich dann doch etwas störend. Der Kleine kam in den Kinderwagen und wurde mit Spielzeug augestattet. Der Große schnappte sich seinen Rechen und los gings. Wir beide harkten das ganze Laub zusammen, packten es in unsere Schubkarre und brachten es zum Komposter. Das fand der Große super. Er arbeitet gerne mit, wenn er sieht, dass wir Erwachsenen etwas zu tun haben und ist alles andere als faul.
Wo ich schon mal im Garten war, fand ich, ich könnte auch gleich Rasen mähen. Gedacht, getan. Der Große schaukelte, der Kleine guckte. Er mag den Rasenmäher sehr gern, deswegen blieb er rund eine Stunde lang ruhig im Kinderwagen sitzen. 
Heute dachte ich motiviert, wo ich gestern aufgehört habe, mache ich gleich weiter. Doch diesmal ist der Kleine nicht so gnädig. Er klettert auf meine kleine Leiter, sobald ich die Fenster putzen will und meckert, wenn ich ihn wieder runterzupfe. Um sich zu rächen läuft er ins Bad und beginnt, die Schränke auszuräumen. Nicht mit mir, denke ich und mache einfach die Badtür zu. Empört wirft er sich auf den Boden und schreit los. Mit einer Hand schlägt er sogar auf den Boden, um seinen Unmut zu unterstreichen. Dann besinnt er sich plötzlich. Sein hinterlistiges Lächeln gefällt mir nicht. Schnurstracks geht er in sein Zimmer und räumt eben dort die Schränke aus. "Da!", sagt er triumphierend. 
Ich seufze; so hat das keinen Sinn. Da komme ich zu nichts. Also werden die Putzpläne eben doch wieder verschoben. Immerhin scheint mittlerweile die Sonne, denke ich, dann können wir am frühen Nachmittag ein bisschen rausgehen. Dann sind die Kinder abgelenkt. 
Vielleicht merken sie es dann nicht, wenn ich später noch mal versuche, sauber zu machen.

Sonntag, 4. November 2012

Und nun hat es mich doch noch erwischt

Ich bin krank. Das schiebe ich nun mal verstärkt auf die Aufregung der letzten Tage, aber es ist wohl ganz einfach so, dass ich mich bei den Kids angesteckt habe. 
Erst war mir übel. Nun habe ich Fieber, Schnupfen, Husten und einen gaaanz dicken Hals. So wie die Jungs vor ein paar Tagen.
Normalerweise sind die beiden gnadenlos, wenn sie merken, dass es mir nicht gut geht. Sie sehen, dass ich mich einen Moment ausruhen möchte und nutzen  diese raren Sekunden, um irgendetwas anzustellen.
Doch diesmal ist es anders. 
Besorgt sitzt der Große mit mir auf der Couch und streichelt mir über das Gesicht. Er bringt mir Taschentücher und erkundigt sich, ob mir kalt ist. Als ich bejahe, zieht er eine Decke durchs ganze Zimmer und breitet sie liebevoll über meinen Füßen aus. Als es Zeit für den Mittagsschlaf vom Kleinen ist und ich mich auch ins Bett legen möchte, kommt er wie selbstverständlich mit, statt beim Papa zu bleiben. Kuschelt sich neben mich in mein Bett und wir schlafen zusammen ein Ründchen. Das gab es noch nie, denn wenn jemand anders mit im Raum ist, während er schlafen soll, ist an Ruhe nicht zu denken. 
Danach ist er überzeugt: nun muss es der Mama besser gehen!
Leider ist dem nicht so, die Erkältung (oder was auch immer...) hält sich. Nun habe ich auch noch eine Bindehautentzündung dazu bekommen, quasi so als kleines Extra. Damit wir morgen im Kindergarten so richtig auffallen, weil ich nur aus einem Auge gucken kann. Das andere ist rot und zugeschwollen. Juche, ich freue mich jetzt schon darauf, dann jedem einzeln (denn man trifft seine Freundinnen unter den Müttern ja nie gleichzeitig) unsere tragische Krankengeschichte zu erzählen.
Nun kommt der Große wieder um die Ecke. Er schimpft, weil ich meinen Tee noch nicht ausgetrunken habe und vor dem Laptop sitze, statt brav auf der Couch zu liegen. Oh wei, ich möchte mich nicht mit ihm anlegen, also gehe ich wohl wieder auf die Couch zurück. Nehme meinen nur mehr lauwarmen Tee mit und genieße vielleicht ein klitzekleines bisschen die ungewohnte Aufmerksamkeit.

Sonntag, 28. Oktober 2012

Ungeschminkt

Wir waren nun drei Tage lang im Krankenhaus. 
Am Montag war ich ja beim Kinderarzt mit dem Kleinen. Oberer Atemwegsinfekt, gar nicht so schlimm, da hätten wir gar nicht kommen brauchen. Am Mittwoch wars noch nicht besser. Wieder angerufen. Heute gehts nicht, wenn er nicht mehr fiebert sollen wir erst am Donnerstag kommen, der Terminkalender ist voll von dringenden Notfällen. Geärgert, aber halbwegs beruhigt. Dem Kleinen gings besser, der Husten war weniger und die Nächte wieder ruhiger. 
Donnerstag endlich wieder beim Kinderarzt. Diagnose: ab ins Krankenhaus! Doch kein Atemwegsinfekt, sondern Bronchitis. Er muss inhalieren, eventuell braucht er Sauerstoff. Ich soll sofort hin. 
Ich bin wie betäubt. Stammle, wie es denn jetzt auf einmal so schlimm geworden sein kann. Sie räumt eine Fehldiagnose ein, entschuldigt sich.
Das hilft mir nicht. 
Verwirrt fahre ich nach Hause, packe ein paar Sachen. Wohin mit dem Großen? Ich kann ihn nicht beim Papa lassen. Denn der ist selber krank und kann kaum aufstehen. Die Verwandtschaft arbeitet Vollzeit. Es hilft nichts: der Große muss mit. 
Ich rase zum Kindergarten und hole ihn ab. Gebe der Erzieherin schnell Bescheid. Schnellschnell, wir müssen uns beeilen. 
Unser kleines Auto fliegt die dreißig Kilometer bis zum nächsten Krankenhaus. Wir finden keinen Parkplatz, erst ganz hinten. Durch den strömenden Regen schleppe ich den Kleinen und unsere Tasche zum Haupteingang, den Großen an der anderen Hand. Wir müssen lange warten, die Kinder quengeln. Endlich können wir auf die Station. 
Dort ein Hoffnungsschimmer: es ist alles gar nicht so schlimm. Die Werte sind gut. Sie wollen uns trotzdem dort behalten, eine Nacht zur Beobachtung. Wir bekommen ein Zimmer für uns drei alleine. 
Der Kleine schreit, er ist fertig mit der Welt. Er hasst das Inhalieren und sobald er jemanden mit weißer Kleidung sieht, ist er nicht mehr zu halten. In seiner kleinen, niedlichen Hand befindet sich eine Nadel - ein Zugang ist ihm gelegt worden. Mit seinen großen Augen sieht er mich fragend an, die Tränen kullern über seine Wangen. 
Mein Herz bricht. Ich möchte ihm alles Leid dieser Welt ersparen und habe rigoros versagt. 
Aus einer Nacht werden zwei. Wir lernen andere Kinder kennen, mit denen die Jungs spielen. Hören uns deren Schicksale an. Uns Müttern tut es gut, dass wir uns austauschen können. Abends, wenn die Kinder schlafen, treffen wir uns in der Teeküche. Erzählen uns unsere Geschichten, lachen dabei. Man muss lachen, denn was wäre die Alternative?
Da sitzt sie nun, eure Lipstickmum. Trinkt einen stark gesüßten Waldbeertee. Die Haare wirr, das Make Up zu Hause, denn für mich selbst habe ich am wenigsten eingepackt. Appetit habe ich keinen, mein Essen hebe ich für die Kinder auf. Doch ich bedauere mich nicht, denn das würde nichts ändern. Wie ein Mantra sage ich mir immer wieder: irgendwann muss es wieder vorbei sein.  Irgendwann geht es dem Kleinen wieder gut und die Kinder haben vergessen, dass wir hier waren. Ich werde es nie vergessen, aber ich komme damit klar. Die Hauptsache ist, dass ich ihnen immer wieder dein Eindruck vermittle, dass alles in Ordnung ist oder zumindest bald wieder in Ordnung kommen wird.
Samstag Mittag endlich dürfen wir nach Hause. Die Stunden haben sich in die Länge gezogen, es kommt mir so vor, als wären wir seit Wochen dort gewesen. Ausgestattet sind wir mit einem Inhalator und vielen Erfahrungen, die wir nie machen wollten.
Nun müssen wir daheim noch ein bisschen inhalieren und morgen wieder zum Kinderarzt. Die Folgemedikation besprechen.
Und dann einen neuen Arzt suchen.


Donnerstag, 25. Oktober 2012

...das Böse hat nie Zeit sich auszuruhn

Als meine Eltern am Wochenende hier waren (ein äußerst zufriedenstellender Besuch übrigens, da sie weder verstärkt den Eindruck machten, sich unwohl zu fühlen, noch irgendetwas kritisierten), brachten sie dem Großen ein paar alte Kinderkassetten für seinen Radio mit. Bibi Blocksberg, Benjamin Blümchen und so weiter. Dabei war auch ein Hörspiel von Käpt'n Balu, das der Große ganz toll fand. 
Ich erzählte ihm, dass dieser Käpt'n Balu früher eine Fernsehserie gewesen war, die sich seine Mama ab und zu angeguckt hatte. Nun war seine Neugier geweckt. 
"Mama, was hast du dir noch so angeschaut als du noch klein warst?"
Uff. Ich musste erst mal eine Weile in meiner Erinnerung kramen. Ich liebe Serien zwar nach wie vor, aber mittlerweile eben die für Erwachsene. Nach einer Weile fielen mir doch ein paar Serien ein, deren Titelmusik wir uns zusammen im Internet ansahen. Mit dabei waren 

Chip und Chap
Die Gummibärenbande
Speedy Gonzales
Die Ducktales und 
Alvin und die Chipmunks

Der Große war begeistert von der Musik und fragte, ob wir uns diese Sendungen mal zusammen angucken können. Ich versprach es ihm, wenn er noch ein bisschen größer ist. Ich finde den Gedanken schön, dass mein Kind sich über die gleichen lustigen Szenen amüsiert, über die ich so viele Jahre zuvor schon gelacht habe.

An welche Serien könnt ihr euch noch erinnern? Würdet ihr sie eure Kinder auch ansehen lassen?

Montag, 22. Oktober 2012

Schon wieder erkältet

Kranke Kinder sind immer wieder eine Herausforderung. Meine beiden Jungs zum Beispiel sind nun wieder volle Kanne erkältet. Das kam übers Wochenende recht plötzlich - so wie es bei Kindern ja immer ist. Am einen Tag hüpfen sie noch vergnügt umher, am anderen würdest du am liebsten mit ihnen ins Krankenhaus fahren, weil du sie nicht wieder erkennst.
Heute morgen also war hier ab sechs Uhr Action angesagt. Der Kleine war nachts circa dreiundzwanzig Mal wach und röchelte unvergnügt vor sich hin. Durch das Gehuste wurde natürlich auch der Große munter und heute morgen dementsprechend aufstehunwillig. 
Im Kindergarten angekommen spricht ihn die Erzieherin auf sein kränkliches Aussehen an. Seine Auge waren vom Schlafmangel leicht verquollen und durch die Erkältung ist er blass.
"Na Großer, wie gehts dir denn?"
"Mir gehts ganz schlecht."
"So!? Was fehlt dir denn?!"
"Ich habe die ganze Nacht gekotzt!"
"G-R-O-ß-E-R!", bringe ich mich entsetzt ein. "Das stimmt doch gar nicht!!"
"Immer wieder habe ich kotzen müssen", fährt er ungerührt mit trauriger Miene fort, so als hätte ich gar nichts gesagt. 
Sofort springt sein kleiner Freund für ihn in die Bresche und sagt stolz zur Erzieherin: "ich habe gestern auch gekotzt. Auf die Zeitung!"
Ich mache, dass ich davon komme, der Kleine und ich wollen zum Kinderarzt. Er bekommt Zäpfchen gegen sein Fieber und einen pflanzlichen Hustenstiller. Wir gehen in die Apotheke, um unsere Medikamente zu holen. Dort würde er am liebsten die ganzen Regale ausräumen und führt sich jedes Mal auf, wenn ich ihn wieder auf den Arm nehme. 
Ganz ehrlich, ich habe auch schlechte Laune. Aber ich säusele trotzdem auf ihn ein, bis der Apotheker alles zusammen gepackt hat. Nun ab nach Hause, wo ich die schlechte Laune noch zwei weitere Stunden klaglos über mich ergehen lasse. Aber jetzt ist es halb zwölf und gleich machen wir los, den Großen vom KiGa abholen. Und danach gehts für alle hier ab ins Bett. Jetzt mag ich dann langsam auch nicht mehr. Ich habe selbst kaum geschlafen und wenn, dann wieder einmal auf dem Teppich vorm Bett vom Kleinen. So jung bin ich nicht mehr, dass ich das einfach so wegstecke. 
Vielleicht machen wir nachmittags einen schönen Ausflug, sodass die Kids abgelenkt sind, statt sich in ihrem Elend zu wälzen. Einkaufen müsste ich sowieso und rauskommen würde mir bestimmt auch nicht schaden. Mal sehen, was der Tag noch bringt.

Samstag, 20. Oktober 2012

Der Elternpost

So! Die Nacht war ruhig. Der Große hustet zwar untertags, aber das liegt an seinem Hustenlöser. Ich denke, hier gehts wieder bergauf. Werde vorsorglich heute aber trotzdem früh ins Bett gehen. Nu für den Fall...

Heute kommen ja meine Eltern zu Besuch, sie bleiben über Nacht. Wie ihr ja wisst, ist das Verhältnis zu meinen Eltern eher schwierig. Wie das kam? Nun, so genau weiß das keiner. Wir wohnen gut dreihundert Kilometer auseinander, mein Vater wurde beruflich versetzt. Meine Schwester wohnt genau in der Mitte, also treffen wir uns meistens dort. 
Schon immer waren meine Eltern eher der Typ Couchpotato. Wenn es abends an der Tür geklingelt hat, sind sie gar nicht aufmachen gegangen - sie haben ja schließlich niemanden eingeladen. Freunde hatten sie kaum und waren auch nicht daran interessiert, welche zu finden. Von der Verwandtschaft haben sie zu niemandem Kontakt ("die sind alle komisch"), nur zu meinen Großeltern und meiner Tante. 
Nun hat es begonnen, dass sie auch zu uns, ihren Kindern, den Kontakt meiden. Erst haben wir zweimal die Woche telefoniert - bis mir irgendwann auffiel, dass immer ich es war, die angerufen hat. Die Besuche wurden spärlich; ich habe ihnen hier extra ein Gästezimmer eingerichtet, doch die dreimal, die sie mich bisher besucht haben, sind sie abends wieder heim gefahren - das war ihnen lieber, aus welchen Gründen auch immer. 
Etwas ratlos begann ich, vermehrt mit meiner Schwester zu telefonieren. Bei ihr war es genauso. Sie kamen zu Besuch, brachten ihr eigenes Gebäck mit (weil sie Angst hatten, der Kuchen meiner Schwester könne ihr nicht schmecken) und fuhren schnellstmöglich wieder nach Hause. Darauf angesprochen sagten sie stets, sie müssten sich ausruhen.
Im August hatten sie dann versprochen, ein paar Tage Urlaub bei mir zu machen. Und ich war so euphorisch. Ich holte Broschüren über Museen und Wanderwege, stellte ihnen ein nettes Programm zusammen. Bis sie am Abend vorher absagten. Sie seien so lang bei meiner Oma gewesen, um sich um Garten und Haus zu kümmern. Nun müssten sie leider wieder nach Hause fahren, um die Blumen zu gießen. 
Ich blieb ganz ruhig. Sagte ihnen aber, dass ich sie nun nicht mehr einladen würde. Das sahen sie auch sofort ein und versprachen, im September zu kommen. 
Sie kamen nicht. 
Nun haben sie sich eben für dieses Wochenende selbst eingeladen. Sie bleiben um die 24 Stunden, von heute Nachmittag bis morgen mittag. Bis nach  dem Mittagessen, das sie selber mitbringen und selber in MEINER Küche kochen wollten, worauf ich etwas unfreundlich reagiert habe.
Es ist schwer zu sagen, wieso sie sich sozial so einigeln. Ich kann es ja verstehen, wenn man mit einem gewissen Alter keine neuen Kontakte mehr knüpfen will. Aber wir sind ihre Kinder. Ich dachte nie, dass sich diese Einigelung mal auf uns erstrecken würde.