Samstag, 15. Dezember 2012

Warum die Angst vorm Zahnarzt so verdammt berechtigt ist

Ich hatte gestern einen Zahnarzttermin. Ja, ich gebe es zu, ich habe eine Füllung gebraucht. Üüüüberhaupt nicht schlimm, wie mir der Zahnarzt versicherte. Keinerlei Schmerzen oder Nachwirkungen. Ein Zuckerschlecken!
Mein Plan sah vor, alleine zum Zahnarzt zu gehen. Denkste!
"Großer, die Mama muss zum Zahnarzt. Du spielst in der Zeit, wo ich weg bin, hier zu Hause schön mit dem Papa und deinem Bruder, ja?"
"Nein, Mama. Ich komm' mit. Ich warte dann im Wartezimmer auf dich."
Und so war es auch. Der Große traut seinem Papa nicht recht über den Weg und wird morgens schon nervös, wenn nicht ich, sondern er ihn weckt. Also zu viert ab zum Zahnarzt, denn der Kleine muss natürlich auch mit. 
Ich will hier niemandem Angst machen. Aber es war ein Alptraum.
Erst näherte sich der ältere Herr (trug doktorhaft wirkende, türkisgrüne OP-Hose wie im Krankenhaus. Dazu feingeripptes, weißes Unterhemd. Im D e z e m b e r!) und guckte noch mal nach. Quasi zur Sicherheit. Nicht, dass er aus Versehen was falsch macht da drinnen.
"Ja, da werden wir jetzt gleich mal einspritzen!", verkündete er fröhlich und jagte mir sogleich die Spritze in den Mund. Ich bin nach zwei Entbindungen nun wirklich nicht schmerzempfindlich. Aber das tat dann doch weh. 
Dann wurde alles taub. Sogar meine Zunge. Sie lag schwer in meinem Mund und wollte auch beim Sprechen nicht behilflich sein. Die Folge: ich lallte. Als wäre ich besoffen. 
Da hätte ich lieber den Vollrausch gehabt, als diese Behandlung.
Dann kam der gefürchtete Bohrer zum Einsatz. Es gab genau eine Stelle in meinem Mund, die nicht komplett taub war. 
Dort war das Loch. 
Rückblickend finde ich es toll von mir, dass ich nicht wild um mich geschlagen habe, sondern - vor Schock, so meine ich - starr liegen geblieben bin. Abgekämpft, mutlos und desillusioniert stakste ich nach einer endlos scheinenden halben Stunde zu meiner liebenden Familie zurück.
"Mama! Da bist du ja endlich! Ich habe dich schon sehr vermisst!", rief der Große und sprang mir auf den Arm. Auch der Kleine - mit seinen Zärtlichkeiten meist eher sparsam - kam auf mich zugewackelt, um umarmt zu werden. Oh, das tat gut! Diese Wärme! Diese Liebe! Sofort ging es mir besser.
Bis heute morgen. Das Gesicht ist geschwollen und blau. Essen würde zwar gehen, empfiehlt sich aufgrund mangelnden Appetits jedoch nicht wirklich. 
Ich werde nun wieder auf die Couch zurück kriechen. Sie an mich drücken, froh sein, dass ich sie habe. Dass wir es im Vergleich zu dem Schlimmen, das in der Welt passiert, unendlich gut haben. Mein Schmerz wird in ein paar Tagen vorbei und sogar vergessen sein. Aber es gibt andere Arten von Schmerz, die nie vergehen. 
Ich hoffe wirklich, dass ich nie Bekanntschaft mit ihnen mache.

Kommentare:

  1. Oh nee, du Arme! Ich habe den ganzen Bericht so mitgelitten! Zahnarzt ist ein Arschloch und diese (Entschuldigung) SCHEIßE braucht doch echt keiner!!!!!

    Ich drück dir so doll die Daumen, dass es wirklich schnell vorbei ist und du diesen Termin schnell wieder vergisst!

    Ich habe jetzt schon Panik wenn ich nur an den Termin im Januar denke. Da wird mir ein WEisheitszahn gezogen....ahhhh...!

    Drück dich!
    Jenny

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    1. Aaaah. Und ich hatte so eine schöne Antwort geschrieben und jetzt ist sie weg. Lange Rede kurzer Sinn: eine Bekannte bekam an einem Tag zwei Weisheitszähne gezogen. Aber bei ihr lief es so gut, sie hatte nicht mal ne geschwollene Backe und konnte abends schon mit uns zum Italiener gehen. Das wird bei dir bestimmt genau so!!

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  2. Hört sich krass an, da kann ich das verstehen das die Angst so groß ist.

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    1. Oh ja, ich bin immer noch froh, dass ich es hinter mir habe ;)

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