Montag, 14. Mai 2012

Bloggen von A bis Z - J wie Jugend

Meine Jugend ist mittlerweile schon ein paar Jährchen her. Und als Jugend definiere ich eigentlich fast den ganzen Zeitraum vor meinem achtzehnten Geburtstag. 
Mit vierzehn bekam ich mein erstes Handy, das weiß ich noch. Ein Nokia 5110 war es. Mit einer getigerten Oberschale, die konnte man ja damals wechseln. Ich bekam eine Karte mit 50 Mark (!) Guthaben, welches ich innerhalb von zwei Tagen vertextete. Im Freundeskreis hatten bald alle ein Handy, aber damals war das noch etwas besonderes. Heute nehme ich mein Handy kaum mehr mit, wenn ich mit den Kids das Haus verlasse. Wer soll mich auch anrufen, während wir auf dem Spielplatz sind?
Mit fünfzehn war ich das erste Mal in einer Disco und hatte dort meinen ersten Vollrausch. Trotzdem kann ich mich noch genau an den Abend erinnern - an die laute Musik, die vielen Lichter, meine hohen Schuhe, die mir noch auf dem Weg zur Disco bereits Probleme machten. Es war das Gefühl von Freiheit, dass sich eingebrannt hat. Das erste Mal nachts ohne Eltern weg. Wie aufregend ich das fand! Mittlerweile frage ich mich natürlich, wie meine Eltern mir das erlauben konnten, ohne dabei vor Sorge tausend Tode zu sterben, aber wenn ich nun heute aus der Distanz mit meiner Mutter über so etwas rede, sagt sie: man gewöhnt sich daran, sich Sorgen zu machen. Es wird einfach ein Teil von dir. 
Mit sechzehn begann ich mich langsam zu fragen, was ich mir vom Leben versprach. Die ersten Freunde gingen von der Schule ab, um Ausbildungen zu beginnen. Welche Ausbildung sollte es für mich werden? Oder doch weiter zur Schule gehen? Welchen Weg sollte ich einschlagen, welcher war der richtige für mich?
Mit siebzehn hatte ich eine gute Freundin, mit der ich einen herrlichen Sommer erlebte - den Jahrhundertsommer 2003. Wir fuhren morgens beim ersten Sonnenstrahl an den See und blieben bis abends dort. Obwohl wir ständig Eis aßen oder uns Pommes vom Imbiss holten, mussten wir uns keine Gedanken über unsere Figur machen. Wir waren ständig in Bewegung, das war das Geheimnis. 
Mit achtzehn stand ich vor den Trümmern dieser Freundschaft. Ich hatte keine Ausbildung gefunden, hatte nur einen Aushilfsjob in einem Lebensmitteldiscounter und war vom Leben frustriert. Meine Eltern waren von mir frustriert, weil ich keine Ausbildung gefunden hatte und wollten mir nicht mehr helfen. 

Doch irgendwie ging es weiter. Durch meinen Job finanzierte ich mir mein Leben, bis ich eine Ausbildung fand. Ich machte diese Ausbildung, beendete sie gut und lernte meinen Mann kennen. Ich habe meinen Weg gefunden, auch wenn er anders war, als ich es gedacht hätte. Im Endeffekt denke ich, zählt nur, dass man zufrieden damit ist, wie sich das eigene Leben entwickelt hat. Ob man es nun so erwartet hätte oder nicht. 

Kommentare:

  1. Wie Wahr.....

    „Bereue nie was du getan hast, wenn du im Augenblick des Geschehens glücklich warst.“

    Liebe Grüße

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    1. Der Spruch bringt es auf den Punkt..alles, was wir im Leben getan haben macht uns den zu den Menschen, die wir heute sind. Wer weiß, für was die schlechten Erfahrungen, die man im Lauf seines Lebens sammeln musste, später gut sind!

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    2. Ich hab dazu vor einiger Zeit auch einen Post verfasst...

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    3. Oh, den geh ich ja gleich mal suchen *wühl* ;)

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  2. "Ich habe meinen Weg gefunden, auch wenn er anders war, als ich es gedacht hätte. Im Endeffekt denke ich, zählt nur, dass man zufrieden damit ist, wie sich das eigene Leben entwickelt hat. Ob man es nun so erwartet hätte oder nicht."

    Dies ist auch der einzig funktionierende Weg, wie ich finde. Das in dieser Deutlichkeit schon in frühen Jahren zu erkennen ist von Vorteil.
    Wenn man mir mein Leben vorausgesagt hätte, hätte ich es für 'unmöglich' gehalten. Und trotzdem bin ich und sind wir sehr glücklich.
    Man muss auch zufrieden sein können.

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    1. Hmm...inwiefern hat sich dein Leben denn anders entwickelt, wenn du sagst, früher hättest du es für unmöglich gehalten?
      Ich habe mich mit meiner Mutter letztens über dieses Thema unterhalten - sie war immer der Meinung, ich würde in einer der Metropolen dieser Welt - New York etc. - leben und nicht auf's Land ziehen..also eigentlich ganz anders, als ich selbst mich eingeschätzt habe, denn ich konnte mir eine Familienzukunft mit eigenem Haus schon immer vorstellen. Aber es ist immer wieder interessant zu sehen, wie man von anderen Leuten - die einen zum Teil ja sehr gut kennen - wahrgenommen wird.

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  3. Während meines Studiums hatte ich eine ziemlich feste Vorstellung von der Tätigkeit danach. Als ich aber den Abschluss in der Tasche hatte, lief die Wirtschaft nicht so prima. Daher nahm ich einen Job an, für den mich das Studium zwar qualifizierte, aber in einem Industriezweig, an den ich während der Uni nicht im entferntesten gedacht habe.
    Durch neue Normen mussten Arbeitsabläufe geändert werden, so begann eine Tätigkeit, die mit der Ausbildung nichts mehr zu tun hatte.
    Von der Uni blieb nur, dass ich gelernt hatte zu lernen. Einige Jahre später wurde Firma aufgekauft und es begannen Dienstreisen. Zuerst national, dann ins europäische Ausland und letztendlich auch interkontinental.

    Schließlich hatte ich ein Apartment im Ausland und eine Ehe die kurz vorm Scheitern war, da schlicht der Alltag fehlte.
    Ergo Reißleine gezogen und die beruflichen Aktivitäten wieder an den Heimatort gebracht.

    Das alles war nicht absehbar.

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